Zwischen Hoffnung und Alten weißen Männern

Wurzen in der Wenceslaikirche am 07.05.2018. Nachdem mich schon im Vorfeld ein mulmiges Gefühl umtrieb ob ich es schaffe die Veranstaltung, welche das Neue Forum Wurzen mit der Kirchgemeinde Wurzen veranstaltete, durchstehe, bleiben im Nachgang nur noch viel mehr offene Fragen.

Offene Fragen, ob die Menschen einem alten weißen Mann glauben wenn er versucht das heutige Europa und die Debatte zur Flucht mit den Außwanderungsbewegungen im 18. und 19. Jahrhundert nach Amerika vergleicht und dann sagt: „es waren andere Voraussetzungen, dort konnte eben jeder ein Stück Land bekommen oder vom Tellerwäscher zum Millionär werden“. Was ja bedeuten würde in Amerika hätten keine Menschen gelebt oder sie waren weniger wert als ein Europäer und es konnten eben einfach Besitzansprüche gestellt werden. Wie auch beim NFW, konnte ich bei Herrn Schröder feststellen das da irgendwelche Wunden aus der Wendezeit noch nicht verheilt sind. Für mich klingt das alles nach wie vor wie ein: „wir wollen die DDR zurück“, was jedoch völligst absurd ist denn genau dies schreiben sie ja der BRD zu. Wenn mensch sich dies aber von außen anschaut dann empfinde ich mehr Sehnsucht nach der Vergangenheit, als Lösungsansätze und Möglichkeiten die einen Blick in die Zukunft darstellen würden. Es wird ja sogar von Grenzen, ähnlich einer Mauer gesprochen. Die wurde doch angeblich auch als Bollwerk errichtet um vor einem imaginären äußeren Feind zu schützen.

Herr Schröder hat im Endeffekt aus seinem Buch vorgelesen, was es auch unmöglich machte mit ihm zu diskutieren, denn dann hätte mensch erst einmal ebenso lang gebraucht um seine Behauptungen, Falschaussagen und die blanke Panikmache und Hetze zu entlarven. Dies kann sich jede_r in meinem ersten Beitrag vom 25.03.2018 zu diesem Thema durchlesen und beim lesen werdet ihr feststellen das es Zeit braucht um sich umfassend so vielen Aussagen zu stellen. Dafür war das Format einer Vorlesung in einer Kirche leider nicht geeignet. Ein Spruch der mich verwirrte war ein angeblicher Wendespruch: „wenn die D-Mark nicht zu uns kommt, dann kommen wir zu ihr“ ! Genau hier fragte ich mich, als Herr Schröder beschrieb das dieses Motiv wahrscheinlich die Flüchtlinge umtreibt, warum er denn da keinerlei Empathie für Menschen mit Migrationshintergrund aufbringt, oder warum die DDR Bürger_innen dann nicht empathisch gegenüber Menschen sind die nach einem besseren Leben streben.

Denn unterm Strich zielen die Ausführungen dieses ominösen Buches darauf ab das versucht wird Neoliberale Werte für sich selbst zu sichern und die ganze Logik folgt einer kapitalistischen und Neoliberalen Logik. Ich möchte gerne reicher werden, oder reich bleiben aber anderen gestehe ich dies nicht zu oder Sozialstaat nur für mich. Ich weiß nicht ob es tatsächlich möglich ist das es 200 Jahre nach Karl Marx seinem Geburtstag immer noch Menschen gibt die dies nicht verstanden haben, wenn es reich gibt muss es arm geben und arm strebt nach reich und der absolute Irrglaube ist, der Glaube an grenzenloses Wachstum. Die Ressourcen der Erde sind endlich, was bedeutet das auch die Wertschöpfungskette endlich ist. Dies wiederum zeigt uns das es absolut unmöglich sein wird das ein einzelner Sozialstaat irgendwie überleben könnte, mit oder ohne Grenzen völlig schnuppe. D.h. wir müssen einfach fundamental anders denken und darüber nachdenken wie wir als Menschen und als Menschheit überhaupt leben und überleben wollen. Nach meiner Auffassung besteht unsere einzige Chance im teilen. Die Veranstaltung endete mit einer Abhandlung über Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, hier hätte ich am liebsten schreiend die Kirche verlassen und empfinde es als sehr fraglich derartiges in einer Kirche gehört zu haben. Wie schon den ganzen Vortrag über, hatte Herr Schröder seine Lesung mit einer Menge rassistischer und Menschenfeindlicher Rhetorik gespickt, denn für ihn integrieren sich Osteuropäer_innen, Südeuropäer_innen und Asiat_innen in Deutschland sehr gut. Afrikaner_innen und Menschen aus Nahost können dies aus irgendwelchen, durch Herrn Schröder nicht erläuterbaren Gründen, nicht (im Buch ist es die Zugehörigkeit zur Weltreligion des Islam)! An der Gerechtigkeit versuchte Herr Schröder dann schließlich darzustellen (wohlgemerkt mit angeblich theologischen Bezugnahmen) das auf dieser Welt nicht alle Menschen gleich sind und manche Menschen mehr wert sind als andere und es eben zu unterscheiden gilt wer ein wertvoller und eben ein nicht wertvoller Mensch ist. Zum Glück konnte er dann dort nicht noch ausführlicher werden, denn wie er im Vorfeld schon berichtete, steht er auf Lager wo weißer Mann ruhig die ihm nicht passenden Leute erstmal einsperren sollte. Das nannte sich Ghetto, dann Konzentrationslager oder Gulag und in Amerika in welchem sich der Europäer ja so oder so nehmen durfte was er wollte wurde dies dann Reservat genannt.

Als von Besucher_innen versucht wurde Gegendarstellungen zu äußern oder für Empathie zu werben, kamen Zwischenrufe wie: „weil das unser Land ist“ ! Sogar Herr Schröder sagte das es Zufall ist wo ein Mensch geboren wird, in Verbindung mit dem Vortrag bedeutet dies wahrscheinlich das alle die nicht in einem „reichen“ Land geboren werden eben Pech gehabt haben.

Für mich war dieser Abend sehr verwirrend, denn ich erlebte einen sich ständig widersprechenden alten Mann der hätte lieber still bleiben sollen. Ich erlebte einen bisher nicht gekannten Lokalpatriotismus in einer Kleinstadt die nur 20 km von Grimma entfernt ist. Ich erlebte wie eng das Neue Forum Wurzen als angebliches Bürger_innenforum mit radikalen Nationalsozialisten verbunden ist. Ich stellte aber auch fest das in persönlichen Gesprächen die Ängste und Vorbehalte die existieren und die durch das Neue Forum und Alte Männer wie Herrn Schröder befeuert werden aus der Welt geschafft werden können. Das gibt dann doch ein bisschen Hoffnung die wir in der aktuellen Debatte auf keinen Fall verlieren dürfen.

Was bleibt ist die Frage: Was tun in Wurzen und wahrscheinlich überall auf dem Land in Ostdeutschland?

Vielleicht sogar doch an dem richtig von Herrn Schröder festgestellten Punkt ansetzen: BILDUNG, mehr Bildung und Bildung für ALLE!

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