Warum Gewalt und Hetze nicht zwangsläufig Mitleid produzieren?

Mitleid steht häufig im Zusammenhang mit einer Benachteiligung. Wenn ich auf Twitter poste das ich kein Mitleid mit den Vorstandsmitgliedern des Neuen Forums für Wurzen empfinde dann hat es den Hintergrund das ich sie nicht in einer benachteiligten Situation sehe. Warum das so ist und warum es notwendig ist mit einem differenzierteren Blick auf die Geschehnisse in Wurzen zu schauen möchte ich versuchen mit diesem Artikel zu erläutern.

Er knüpft an die beiden voran gegangenen Artikel Für eine Offene Gesellschaft – Gegen den Stellungskrieg der Positionen (Hauptartikel) und Eine Mail und die Bestätigung von Denkweisen (Zusatzartikel) an. Wer also ein Gesamtbild haben möchte, beginnt mit dem Hauptartikel! Viel Spass!

Vorangestellt möchte ich meine Meinung zum Thema Gewalt kund tun.

Ich persönlich und für mich sehe Gewalt tatsächlich als letztes Mittel der persönlichen Verteidigung an, da ich auch so ehrlich sein möchte das diese Ansicht nicht immer diese war und ich tatsächlich auch eine Weile Gewalt als Form der Ablehnung und des Protestes oder auch der Gegenwehr, des Widerstandes befürwortet hab. Heute kann ich mich anders wehren und kann meiner Wut über unsere Gesellschaft und einigen darin lebenden Menschen anders Ausdruck verleihen. Ich weiß heute das ich nichts ändere wenn ich den Staat, seine Vertreter_innen oder Menschenfeinde und deren Eigentum angreife. Dies musste ich aber auch erst einmal lernen und ich bin froh das ich dies lernen konnte und heute andere Methoden hab um meine Wut über bestimmte Gegebenheiten, Umstände oder Missstände zu kanalisieren und vor allem zu kommunizieren. Doch wichtig ist an dieser Stelle das die Frage der Gewalt ziemlich Facettenreich ist, wo beginnt sie, wann sprechen wir von Gewalt. Ein Thema welches in diesem Zusammenhang häufig nicht betrachtet wird, ist auch so etwas wie psychische Gewalt und psychische Gewalt kann durch Mobbing, Hassreden, die Verdrehung von Tatsachen, Diskriminierung und vieles, vieles andere ausgeübt werden. Da ich eingangs gesagt hab das für MICH Gewalt keine Option mehr darstellt heißt dies nicht das dies für andere Menschen ebenso der Fall sein muss. Angriff ist oftmals die Beste Verteidigung, tja und im Grunde habe ich mit meinen Zeilen nichts anderes gemacht und dazu stehe ich auch. Ich habe das NFW angegriffen, da sie in meinen Augen gravierende Menschen verachtende Aussage gegenüber nicht näher benannten Menschen, also pauschalisierend, in die Welt gerufen haben und weil Sie über mehrere Monate hinweg das Netzwerk für Demokratische Kultur mit krasser Hetze attackiert haben. Ich möchte behaupten, dass das Niveau der Hetze und die Intensität durchaus auch als psychische Gewalt zu bezeichnen ist. Ich kenne derartige Hetze auch gegen meine Person und gegen Projekte in denen ich Arbeite und an die ich glaube und ich weiß das mensch dies nicht immer einfach so weg stecken kann. Ein Ladengeschäft kann mensch durchaus reparieren psychische Schäden nicht immer und das macht es ja gerade so speziel.

Die psychische Gewalt des NFW gilt es genau so zu verurteilen wie die physische Gewalt gegen Privateigentum durch bisher unbekannte Personen. Nur passiert das? Nein! Derartige psychische Gewalt gegen Menschen wird nicht verurteilt, oder da wird kein Fass aufgemacht sondern die wird so hingenommen. Für mich ist das trotzdem Gewalt. Wenn ich derartiges als Kommentar irgendwo schreiben würde, würde mir garantiert irgendwelche kurz gegriffene Hetze und Einsatz-Wutausbrüche entgegen rollen und um Verständnis für das geschrieben werde ich nicht betteln, denn ich gehe davon aus das der Mensch in der Lage ist rational zu denken und zu überlegen was er schreibt und tut. Das viele dies nicht machen ist mir bewusst, aber ich bin der Meinung das viele dies könnten, wenn sie wöllten. Denn glaubt mir so schwer ist das nicht mit dem denken.

Gehen wir aber noch einmal auf die Gewalt ein, denn diese steht ja gerade im Fokus. Voran gestellt ist erst einmal, es gibt für mich keine gute oder schlechte Gewalt sondern es gibt Gewalt. Dies schließt für mich tatsächlich alle bisher definierten Formen der Gewalt ein. Da ich ja nun als Sozialarbeiter aktiv bin und mich als Anarchist bezeichne, was meine Utopie von Gesellschaft tangiert, definiert sich für mich die Gewalt als Machtausübung die gegenüber den Menschen einerseits als unterdrückendes Machtsicherungs- oder Machtausübungsinstrument genutzt wird und damit die Freiheit des Individuums einschränkt oder sie passiert aus einer abwehrenden schützenden, kurz: Ohnmächtigen, Situation heraus. Auch bekannt als Verteidigung, Schutz oder nach Marcuse als Widerstand von diskriminierten Gruppen gegenüber denen die sich diskriminierend verhalten. Bei dieser Frage ist es immer gut das mensch im Blick hat, dass das Gegenteil von Macht, Ohnmacht ist. Steigt man in den Definitionen tiefer ein wird mensch feststellen das es ganz viele unterschiedliche Motive der Gewalt gibt und ich denke darüber muss in einem solchen Fall geredet werden und nicht die pauschalen immer wiederkehrenden Handlungen von der Öffentlichkeit, den Betroffenen usw. helfen hier weiter! Meist stilisieren sich die einen als Opfer, andere rechtfertigen die Gewalt und wieder andere fordern mehr Kontrolle mehr Schutz und was weiß ich durch die staatliche Gewalt. Schlussendlich bleibt eins jedoch immer bestehen und existiert weiter und das ist die Gewalt. Ersetzen wir die widerständige oder die Macht ausübende Gewalt mit staatlicher Gewalt weil alle reflexartig nach einem Terroranschlag oder einer Sachbeschädigung, wie in dem Wurzener Beispiel, nach mehr Polizei oder nach mehr Gegengewalt schreien dann bleibt das Gewalt Level trotzdem das Gleiche. Besonders skurril sind solche Sachen wie Münster die dann Reflexe bei Leuten hervorrufen, indem sie hoffen die Gewalt wurde durch ihren definierten Feind verübt damit sie zurück schlagen und hetzen können. Heißt im Umkehrschluss wir sollten vielleicht darüber reden wie wir das mit der Gewalt lösen, wie wir das mit der Macht lösen und ich denke gerade in dem Fall Wurzen ist es längst überfällig das darüber geredet wird. Jeder sollte erkennen das dies schon schlimmere Gewaltexzesse hervor gerufen hat als diese, über die wir hier reden. Da das einige wissen ist auch die Methodik der Täuschung eine häufig praktizierte und in einigen Fällen mittlerweile auch erwiesene, weil sie dazu führt das die Gegengewalt aus Perspektive der Opfer plötzlich gerechtfertigt ist. Von Beispielen sind die Geschichtsbücher, die aktuellen Nachrichten und die Verschwörungstheorien überfüllt. Manchmal bringt es auch noch über Nacht 200 Likes auf der Facebookseite der Geschädigten.

Ganz vereinfacht stellt sich die Sachlage in Wurzen für mich so dar:

Ausgangssituation:

In einer Kleinstadt in Ostdeutschland passiert in den 1990iger Jahren das, was in vielen Kleinstädten Ostdeutschland passiert ist. Nach dem Fall der Mauer dominiert eine rassistische und im allgemeinen Menschenfeindliche Hegemonie besonders unter Jugendlichen. Dies kann (dies sind erste Betrachtungen und theoretische Vermutungen, da noch in der wissenschaftlichen Aufarbeitung befindlich) darauf zurück geführt werden, das:

1. in der DDR es zwar einen staatlich verordneten Antifaschismus gab, sich mit dem Thema aber nur mit Blick auf den 2. Weltkrieg und Hitler auseinander gesetzt wurde und eine Totalitarismus Forschung die u.a. auch den Stalinismus mit betrachtet nicht wirklich anerkannt oder erwünscht war. Was bedeutet es passierte gar keine wirklich Aufarbeitung des Faschismus und Antifaschismus war eine staatliche Doktrin. Es war praktisch jeder in der DDR lebende Mensch Antifaschist, was ja völligster quatsch ist. Auch in der DDR gab es Menschen die wir von ihrer Einstellung her gut und gern als Nationalsozialist_innen mit der Wunschvorstellung eines Faschistischen Systems deklarieren können und genau so gab es in der der DDR Stalinist_innen und Kommunist_innen die eine Auslebung dieser Theorien in einer faschistischen Art und Weise befürwortet hätten. Das meint zusammen gefasst das es in der DDR einfach keinerlei wirkliche Auseinandersetzung (öffentlich) mit dem Thema Faschismus und somit auch einem Antifaschismus gab. Das stellt ein Problem dar und zeigt aber warum gerade heute bei GIDA Aufmärschen oder auch beim NFW solche Wörter wie SA-ntifa fallen. Diesen Menschen unterstelle ich einfach mal mangelndes Wissen zum Thema Faschismus und Antifaschismus, ansonsten würden sie so etwas nicht sagen oder sie sind in der DDR aufgewachsen und haben grundsätzlich eine Abneigung gegen alles was die DDR offiziell ausgegeben hat zu sein, aber unterm Strich gar nicht war.

2. Hier kommt jetzt selbstverständlich meine Spezialisierung auf den Bereich der Jugendsozialisierung und der Adolesenzphase eines Menschens durch. Die Jugendlichen in der ehem. DDR und auch in anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks wollten sich natürlich so krass und extrem wie nur irgendwie möglich von ihrer Elterngeneration abgrenzen die quasi von Geburt her Antifaschistisch, Sozialistisch, Solidarisch mit allen Menschen oder kurz: offiziell Links war. Also wählten sie das komplett gegensätzliche Extrem und wurden zu Nazi’s die wieder ein Faschistisches System wollten, sich nicht solidarisch verhielten und in der gegensätzlichen Wortwahl (wie bei den Richtungen an einer Kreuzung) rechts fuhren. Das war krass, radikal und absolut gegen die Eltern, die Jugend konnte mit etwas rebellieren was es zuvor 45 Jahre offiziell nicht gab, durch die mangelnde Aufarbeitung vermutlich aber verbreiteter war als viele dachten. Zusätzlich fehlte der Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern und vor allem von anderen Kontinenten. Der war in der DDR ja auch nicht so an der Tagesordnung das es vielleicht auch ein eher geringes Bewusstsein dafür gab das Mensch vielleicht nicht allein auf dem Planeten Erde ist. Interessant ist hier, das es ja durchaus in der DDR eine Antifaschistische (im eigentlichen Sinn), Antirassistische und von Punk und dem Anarchismus inspirierte Jugendkultur gab. Diese wurde jedoch verfolgt, in Jugendwerkhöfe, Erziehungsheime und sonstiges gesteckt weil sie eben auch die FDJ und all den anderen Kram als unterdrückend und irgendwie faschistisch im eigentlichen Sinn empfanden. Diese Jugendkultur bildete im übrigen auch das Fundament, in einem sehr gut vernetzten und parallel zum System existierenden Untergrund, für die Forderungen zur Beendigung der DDR oder zumindest für einen radikalen Systemwandel, der vor allem ohne staatliche Kontrolle wie durch die Stasi oder vorgezeichnete Biografien durch die FDJ auskommen wollte. Forderungen Gegen die Mauer kamen nicht erst 1989 durch selbsternannte Bürgerrechtler_innen, sondern die kamen durch Punks und Skater die das irgendwo dran sprühten und dafür ins Gefängnis wanderten. Die meisten der Jugendlichen die dann diese extrem feindliche Hegemonie in den 1990iger Jahren schufen, hatten vorgezeichnete Biografien und hätten sich wahrscheinlich gut eingefügt, hatten Lehrausbildungen oder sonst etwas. Sie waren vor allem eins nicht, sie waren nicht revolutionär. Sie waren einfach nur gegen das was sie offiziell kannten. Das fand in Lichtenhagen und Hoyerswerda seinen traurigen Höhepunkt denn sie taten das was sie hätten sonst nie gedurft, sie machten einfach mal was kaputt und da boten sich „fremde“ mehr als an. Sie hatten dann auch plötzlich teilweise keine Arbeit mehr (wobei das nicht als flächendeckendes Motiv feststellbar war), weil alle bisher existenten Betriebe dahin waren und nicht alle konnten in den Westen gehen. Also entstand irgendwie eine Lücke für die jungen Menschen und das stelle ich mir durchaus frustrierend vor, aber tatsächlich auch spannend. Da niemand was gesagt hat machten die Naziskins was sie wollten. Sie entluden ihren Frust oder überschüssige Energie an allem was sie nicht kannten. Menschen aus anderen Ländern, Jugendlichen die Skateboard fuhren, Jugendlichen die einen Iro hatten (die gab es im übrigen auch in Wurzen) und an HipHopern (auch die gab es in Wurzen). Scheinbar, hier kann ich aus persönlicher Erfahrung sprechen was Wurzen und andere Kleinstädte in Sachsen betrifft, waren wir (ich zähle mich jetzt mit zu den klassischen Feindbildern Punks, Zecken, HipHoper, Skater) absolut in der Unterzahl. Viele interessierte es nicht, die machten ihr Konsumding, wenige wie wir, waren irgendwie im Sinne der DDR Tradition anders irgendwie nicht FDJ und HJ konform und viele waren es, die sich selbst als Nazi-Skins, wie wir sie klassisch kennen, bezeichneten. Besonders viele waren es eben in Wurzen, Colditz, Döbeln, Leisnig, Pirna, Aue, Zwickau ach gefühlt einfach überall wo du hingekommen bist waren sie und sie waren immer viele.

In den Großstädten, besonders in Leipzig, hatte die positive Untergrundkultur der DDR irgendwie überlebt oder hatte sich bereits durch Punk, Hardcore und HipHop neu formiert und es gab ein Gegengewicht zu alle dem. Der Leidensdruck durch die Naziskins war tatsächlich so groß das die Wahrscheinlichkeit auf dem Land zu bleiben, wenn du kein Naziskin warst, so minimal gering war das die meisten einfach weg gegangen sind wenn sie nicht bereit waren sich bei jedem Fußmarsch außerhalb des elterlichen Grundstücks vor Angst in die Hose zu machen oder bereit waren sich bei jeder Konfrontation zu prügeln. Da es die Option mit Berlin und Leipzig gab, machten viele davon Gebrauch. Viele sind nicht etwa wegen den mangelnden Konsumangeboten weg gezogen, nein sie zogen weg weil sie keinen Bock mehr auf diesen Nazimüll hatten, keinen Bock mehr hatten Angst zu haben und weil es nahezu unmöglich war sich als Individuum, als Mensch zu entfalten und sich eine eigene individuelle Identität aufzubauen. Ich benenne das bewusst so denn ich bin hier etwas persönlich betroffen. Ich weiß noch, das war irgendwie Mitte der 1990iger als ich dann auch so langsam mit 13 in die Pubertät kam, wie ich unbedingt dringend eine Bomberjacke haben wollte. Weil, jetzt wird es interessant, einfach ALLE in der Schule und vor allem vor der Schule (dort hingen dann immer die Mädels mit den Älteren, Auto fahrenden Naziskins ab) eine hatten und das Problem war, das fehlen einer Bomberjacke und das fehlen von Springerstiefeln oder Docs hat dich zum Abschuss frei gegeben. Du warst plötzlich Angriffsziel, weil dir der Naziskin-Look fehlte. WTF!?!? Zu der Bomberjacke aus dem Ottokatalog schaffte ich es, aber die war nicht anerkannt und sah ehrlich gesagt auch ziemlich beschissen an mir aus. Glücklicherweise war ich tatsächlich dann in meinem Dorf auch in der Jungen Gemeinde und tatsächlich war es in unserem Dorf nicht ganz so extrem und wir konnten uns mit anderen Dingen beschäftigen als Landser oder die Zillertaler Türkenjäger zu hören. Wir hörten Ärzte und erkannten irgendwie das sie über genau diese Naziskins sangen. Naja und dann kam die erste eigene Band die natürlich Punk im Stile der Ärzte machen wollte, auch wenn unser damaliger Sänger und ich 2Pac noch viel cooler fanden und versuchten eher so auszusehen! Was alles in Summe natürlich dazu führte, dass das Direktorenzimmer immer mal zum Schutzraum wurde und Begleitschutz von Mutti für den Heimweg angefordert werden musste!

Zurück zu Wurzen. Die Naziskins sind in der absoluten Überzahl, einige ganz wenige versuchen zu überleben (das können wir ruhig so benennen denn ich weiß das es genau darum ging), viele Jugendliche ziehen weg sobald die Schule beendet ist. Der größte Teil der Zivilgesellschaft hat genügend mit sich zu tun und versucht mit den neuen Rahmenbedingungen klar zu kommen oder ist weg gezogen um woanders das individuelle Glück zu suchen. Die Naziskins organisieren sich in den in Sachsen sehr gut vernetzten Strukturen und es kommt zum Blood&Honour Netzwerk. Sie gründen eigene Marken und Labels über die verbotene Musik und Magazine sowie allerlei Nazi, Wehrmachtsstuff besorgt wird, eins der bekanntesten eben genau in Wurzen. Da die Jugendlichen ja älter werden, kommt all das dann irgendwann auch in der Erwachsenenwelt an und wird irgendwie normal. Weil ich war als Jugendlicher auch mal Naziskin und lebe jetzt trotzdem „normal“ ich hab nichts gegen Ausländer solange sie nicht nach Wurzen kommen blablabla. Das läuft heute noch nach der selben Logik: „Ach das ist doch der kleine von Müllers, ja das war ein Raufbold aber nun ist er doch groß und eigentlich ein lieber, der hat mir letztens beim Einkauf tragen geholfen.“ Mag sein, trotzdem muss es ok sein zu sagen das er ein Nazi ist und das er am liebsten Menschen töten möchte die nicht die Oma von nebenan sind sondern die Schwangere Frau aus Eritrea, aber auch nur weil sie aus Eritrea ist. Oder eben alle Punks in ein Heim stecken will (ist ne DDR Methode und wäre ne NSDAP Methode gewesen und war auch eine Stalinistische Methode)! Was ich damit sagen will, es kommt zu einer gewissen Toleranz und vor allem verstetigt diese sich. Dadurch kommt es zu einer wie auch immer gearteten Akzeptanz der Naziskins, der NPD Aufmärsche, der offensiven Propaganda durch die NPD an Schulen, der Brandanschläge auf Häuser, Angriffen auf Züge und Menschen. Einer Akzeptanz von Nazikonzerten und vor allem die Akzeptanz eines der ersten Nazikulturzentren in Ostdeutschland, ähnlich diesem komischen Gebäude der Identitären in Halle (Saale) heute, in Wurzen. Im damaligen Muldentalkreis gab es 10 registrierte Kameradschaften. Wir hatten Angst wenn ein Auto mit Wurzener Kennzeichen irgendwo an uns Nachts vorbei fuhr. Ist heute kaum noch vorstellbar. All das drückt aber aus das Gewalt akzeptiert und scheinbar auch nicht so schlimm war wenn sie durch die Naziskins oder die Braunhemden ausgeübt wurde.

Es finden sich in Wurzen, glücklicherweise, trotz dem Terror in den Schulen, am Wochenende, am Bahnhof oder vor der eigenen Haustür Menschen zusammen und bekommen es hin sich zu organisieren. Es wird versucht gemeinsam in einem Haus zu wohnen und irgendwie eine Art Freiraum zu konstruieren. Es ist vielleicht wirklich schwer nach zu vollziehen wie das sich Mitte/Ende der 1990iger und zu Beginn der 00er Jahre als Jugendlicher angefühlt hat. Für mich ist es deshalb unwahrscheinlich wichtig das zu kommunizieren und darüber öffentlich zu sprechen. Das was Jugendliche die keine Naziskins waren in Wurzen, Colditz, Grimma, Sachsen, Ostdeutschland und sonst irgendwo durchleben mussten sollen Jugendliche NIE WIEDER durchleben müssen und JA deswegen streite ich mich und genau deswegen überlasse ich einer Bürgerbewegung Grimma, einem Neuen Forum für Wurzen, einer AfD Landkreis Leipzig, einer Blauen Wende oder den Identitären oder was auch immer sie für Namen finden werden NICHT die Deutungshoheit. Wir leben genau so auch hier und das ist NICHT eure alleinige Entscheidung was hier wie passiert und gesagt wird. Genau dieser Druck durch die menschenfeindliche Hegemonie und das weg sehen oder tolerieren durch die Zivilbevölkerung, das nicht mehr ertragen hat in Wurzen dazu geführt das sich ein Verein gründete. Das Netzwerk für demokratische Kultur Wurzen e.V., ihr Anspruch war es ein Netzwerk aufzubauen um darüber aufzuklären was Phase ist und um eben nicht weg zu schauen, um Menschen die Möglichkeit zu geben sich dieser Hegemonie zu entziehen, vielleicht etwas anderes zu bekommen als immer nur aufs Maul. Es gab Konzerte, u.a. auch mit Clueso, Workshops, Angebote in Schulen und noch viele schöne Sachen mehr. Bekommen haben sie über all die Jahre Hetze von Wurzner_innen, Bombenanschläge, persönliche Angriffe und noch vieles mehr.

Was ich mit diesem Text skizzieren möchte ist, das auch ich tatsächlich immer das Gefühl hatte das NDK steht irgendwie außerhalb des überwiegenden Teils der Wurzner Zivilgesellschaft, nichts desto trotz finde ich keinen Ansatz, dass die Wurzner_innen sich kollektiv der nachweisbaren nationalsozialistischen Anhänger_innenschaft entgegen gestellt haben. Nein diese haben ihre Geschäfte weiter betrieben, haben sie sogar ausgebaut haben sich vor allem auch trainiert, sogar so gut das Wurzen in der professionellen Kampfsportliga auf Weltklasseniveau hätte mitspielen können. Dies ist für mich Tatsache genug warum ich denke das es nach wie vor wichtig ist das es in Wurzen das NDK gibt, damit es Menschen gibt die den Finger in die Wunde legen. Ich möchte das an dem Beispiel festmachen das der Facebook Beitrag über die Sachbeschädigung der beiden Lokale der Vorstandsmitglieder des NFW insgesamt 440 mal geteilt wurde, die Beiträge auf der LVZ Seite zu dem rassistischen Überfall auf eine schwangere Frau aus Eritrea in Wurzen, im Februar 2018, wurden insgesamt 57 mal geteilt (Quelle: Facebook Stand 08.04.2018 23:57 Uhr). Das drückt für mich viel über das Rechts und Unrechts Empfinden einer Gesellschaft aus und es drückt für mich aus das der überwiegende Teil sehr wohl in gute und böse Gewalt unterscheidet und dabei noch nicht einmal die Gewalt selbst ob Sachbeschädigung oder Körperverletzung unterscheidet. Vielleicht liegt das auch daran das es in den letzten Jahren einen Anstieg an autotelischer Gewalt (ohne Zweck, seiner selbst willen) zu beobachten ist (z.B. Fußball-Hooligan-Szene) und dadurch ein gewisses abstumpfen gegenüber Gewalt in unsere Gesellschaft eingezogen ist. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist das außer in dem vorbenannten Fall Gewalt nicht ohne Zweck passiert. Ob wir sie befürworten oder ablehnen muss sicherlich jede_r für sich selbst entscheiden. Gewiss ist, sie ist da und es gab in diesem Fall mit Sicherheit Gründe. Ich habe auch nen ganzen Aktenordner vor mir stehen mit eingestellten Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung oder Körperverletzung gegenüber meiner Person oder Gebäuden in denen ich arbeite und ich weiß warum es diesen Ordner gibt.

Den gibt es weil andere Menschen ein Problem damit haben das ich Dinge anspreche die sie nicht hören wollen.
Den gibt es weil ich Antifaschist bin.
Den gibt es weil ich Anarchist bin.
Den gibt es weil ich geschlossen Nationalsozialistische Weltbilder nicht akzeptieren werde.
Den gibt es weil ich Diskriminierung gegenüber Menschen nicht akzeptiere.
Den gibt es weil ich eine Meinung zu sehr vielen Fragen und Behauptungen hab.

…und vor allem gibt es den weil ich einen Weg gefunden hab die Idee von einer anderen gleichberechtigteren, emanzipierteren, Diskriminierungsfreieren und vor allem freiheitlicheren Welt weiter zu geben.

Durch meinen Job als Sozialarbeiter im Sinne einer aufklärerischen Jugendarbeit!

UPDATE 10.04.2018: Aufgrund ersten Reaktionen auf den Artikel, möchte ich explizit darauf hinweisen das ich keine Relativierung von Gewalt mit dem Artikel anstrebe, sondern darauf aufmerksam machen möchte das Gewalt ob psychisch oder physisch unterm Strich Gewalt ist. Die Einrichtungen der Jugendhilfe und Psychologischen Betreuung sind voll mit Opfern von psychischer Gewalt. Relativierung ist in meinen Augen wenn eine gebrochene Glasscheibe in der öffentlichen Wahrnehmung schlimmer und entsetzlicher ist als eine gebrochene Seele! Dies ist der Anspruch dieses Artikels, wenn einige dies als Relativierung sehen möchten dann haben sie in meinen Augen eine etwas verzerrte Vorstellung von Gewalt, bzw. unterteilen, wie von mir beschrieben in Gute und Schlechte/Böse Gewalt.

ANOTHER WORLD IS POSSIBLE…!!!

Quelle zu Wurzen: Sozialraumanalyse zu Wurzen: „Mein Sohn wurde von Rechten zusammen geschlagen – Wahrnehmung und Deutung zum Thema Rechtsextremismus am Beispiel Wurzen“, Kulturbüro Sachsen e.V., Wurzen/Dresden 2004

Quelle zu Punk/DDR: Mohr, Tim; Stirb nicht im Warteraum der Zukunft – Die Ostdeutschen Punks und der Fall der Mauer; Heyne Verlag; München 2017

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