Eine Mail und die Bestätigung von Denkweisen

Am 25.03.2018 veröffentlichte ich einen Artikel hier auf dem Blog der die Überschrift: „Für eine Offene Gesellschaft – Gegen den Stellungskrieg der Positionen“ trug. Dieser Artikel setzte sich mit einem Buch und ein paar Thesen auseinander die sich klar und deutlich gegen eine offene Gesellschaft aussprechen. Den Verfasser_innen der Thesen bin ich laut einem Gründungsmitglied des Neuen Forums für Wurzen (NFW) nicht würdig um einen Diskurs über Ihre Behauptungen zu führen. Dabei habe ich mir solche Mühe gegeben. Dies teilte mir dann ein Herr Dietel vom Neuen Forum für Wurzen via Mail mit. Aber lest selbst:

Am 29.03.2018 hat ein Herr Dietel, Mitglied des Neuen Forums für Wurzen, auf meinen Text reagiert und mir eine E-Mail dazu geschrieben. Da in der Mail kein explizieter Verweis enthalten war das diese Mail nur für private Zwecke zu verwenden ist, entschied ich mich auf diese Mail mit diesem Beitrag einzugehen und sie zu veröffentlichen, die Mail findet ihr in der Anlage 1.

Ich hatte gehofft das die Verfasser_innen der Thesen oder auch die Begründer des NFW öffentlich zu Ihren Aussagen und der Kritik daran, Stellung nehmen. Leider ist dem nicht so und Sie sehen keinen Grund von ihrem sehr hohen und arroganten Ross herunter zu steigen. In der Mail wurde mir mitgeteilt das ich aufgrund meines „unorthodoxen Umgangs mit den Regeln der Rechtschreibung und Grammatik“, nicht würdig bin einen Kommentar oder gar eine Stellungnahme zu meinem Text zu erhalten. Ja ich habe Probleme mit der Rechtschreibung und Grammatik, ich versuche das stetig zu verbessern, aber ich denke es ist auch ok wenn wir als Menschen nicht perfekt sind. Der Vorteil daran ist ich urteile im Gegenzug auch nicht über einen Menschen der ähnliche Schwächen besitzt oder gebe mich als „guter“ Deutscher aus. Ich muss hier sagen das sich dadurch mein Bild welches ich von den Verfasser_innen der Thesen und den Begründern des NFW hatte, nur bestätigt wurde. Sie sind arrogant und sehen Menschen nicht als gleiche Menschen sondern beginnen schon bei der Rechtschreibung Menschen in wertes und unwertes Leben zu kategorisieren, wie krass ist denn das bitte schön? Passt aber irgendwie auch zu meinem Ausgangstext, in welchem ich etwas über die Feudalherren schrieb. Wahrscheinlich sind die Damen und Herren, auf der einen Seite, auch einfach nicht in der Lage auf meinen Text zu reagieren, da dies eine intensive Beschäftigung, mit denen durch Sie angesprochenen Themen, voraus setzen würde und vor allem schlummert in ihnen auf der anderen Seite ein dermaßen Ekel erregendes Menschenbild das es vielleicht besser ist sie reagieren nicht öffentlich auf meinen Text. Denn schon in der Mail und in weiteren Facebookposts wird ihr Bild welches sie von den Menschen haben sichtbar und dies ist tatsächlich als abstoßend zu bezeichnen.

Lasst uns dazu mal ein paar Beispiele benennen:

Der Verfasser der Mail betreibt unter anderem auch noch eine Internetseite auf welcher ein Erwin Stadtstreicher noch mehr krude Thesen in die digitale Welt posaunt und die Seite mit dem Namen „heimatstadtwurzen.wordpress.com“ dazu benutzt gegen das Netzwerk für Demokratische Kultur in Wurzen (NDK), den Bürgermeister und Menschen die sich gegen seine extrem konservative und nationalistische Einstellung positionieren, zu hetzen. Erwin Stadtstreicher bezeichnet das NDK als „Hetzwerk“ oder leitet einen Text mit der Überschrift „Wurzen First“ ein. Auf einer Internetplattform mit dem Namen „eigentümlich frei“ lassen sich dann von einem Herrn Dietel (keine Ahnung ob der NFW Gründer sowie Verfasser der Mail auch der Herr Dietel bei „eigentümlich frei“ ist) auch Beiträge finden in den Sätze stehen wie: „Weil es einem einigen Europa sicherlich gelungen wäre, der Welt seinen Stempel aufzudrücken.“¹ oder in einem anderen Text findet sich folgender Ausspruch: „…Geld, also ich meine richtiges Geld, nicht Geldschein, ist ausgeprägte Freiheit.“² Diese Beiträge sind aus dem Jahr 2012 und in der Danksagungserklärung für eine in Wurzen durchgeführte Montagsdemo heißt es am 30.03.2018: „Wir wollen nur, daß Europa bleibe, was es ist,ein grundsätzlich vom Orient und Afrika unterschiedenes Biotop einer Menschenart,…“³. Dies alles liest sich wie eine Erklärung der Identitären Bewegung nur eben angepasst auf die Zielgruppe, die wahrscheinlich nicht mehr im jugendlichen Alter angesiedelt ist.

Wie ich ausführlich im Hauptartikel erläutert habe trauert das Neue Forum für Wurzen, die Thesenverfasser_innen im Buch „Weltoffenes Deutschland“ und wahrscheinlich sämtliche Anhänger_innen von AfD, CSU, III. Weg und wie sie alle heißen oder den Identitären bis hin zu Anhänger_innen eines NSU oder den radikalen Kameradschaften einfach einer historischen Zeitepoche hinterher die so nicht wieder kommen wird und für die sie zwar kämpfen können, aber sie werden das Rad der Entwicklung mit ihrem Kampf nicht zum stehen bringen. Vom Grundsatz ist dies auch ein absolut falscher Ansatz, denn wir sollten lieber überlegen wie wir mit diesen sich ändernden Rahmenbedingungen umgehen und wie wir Lösungen für eine Zukunft finden die uns verdammt noch mal alle betrifft. Doug Saunders geht in seinem Buch „Arrival City“ von zwei Milliarden Menschen aus die in den nächsten fünfzig Jahren in Ankunftsstädte abwandern, innerhalb eines Landes oder Kontinents oder über Länder- und Kontinentgrenzen hinweg.⁴ Diese Schätzungen und Überlegungen werden wir nicht lösen wenn wir mit der Einstellung des NFW an die Sache heran gehen, die in der Mail an mich schreiben: „Weltoffenheit ist nicht die Offenheit für alles auf dieser Welt mögliche und schon gar nicht für freche Menschen, die meinen ein Recht zu haben, dorthin zu gehen und zu leben, wo sie wollen und die Früchte zu verzehren, zu deren Anbau, Hege, Pflege und Ernte sie nichts beigetragen haben.“ Dort frage ich mich im übrigen auch was die Mitglieder dieser Vereinigung für den Anbau, Hege, Pflege und die Ernte unserer Gesellschaft getan haben? Ich für mich trage jeden Tag im Rahmen meiner Tätigkeit als Sozialarbeiter meinen Teil dazu bei das an Lösungen, Möglichkeiten und Ideen für die Entwicklung unserer Gesellschaft gearbeitet wird. Ja das ist arrogant und aus der Sozialarbeiter_innen Perspektive geschrieben, aber unterm Strich wird auch von uns verlangt das wir den Mist den die Gesellschaft verursacht wieder halbwegs gerade, im Sinne der Norm, bügeln. Genau das ist der Grund warum ich mich mit den Aussagen des NFW auseinandersetze, denn ich kann nicht sehend zu schauen wie Vereinigungen und, eigentlich mitten im Leben stehende, Einzelpersonen mit ihren falschen Behauptungen und viel zu kurz greifenden Analysen die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zu nichte machen wollen und unsere Gesellschaft Stück für Stück näher an den Abgrund manövrieren. In der Mail von Herrn Dietel an mich heißt es dann auch noch: „Gesellschaften hören nicht auf offene Gesellschaften zu sein, nur weil sie sich Grenzen setzen.“ Hallo? Sie verwechseln hier vielleicht den Gesellschaftsbegriff mit dem Begriff der Völker oder einer Hochzeitsgesellschaft, wir leben im 21. Jahrhundert und wenn sie sich mit Gegenwartsphilosophie beschäftigen würden, würden sie feststellen das diese versuchen zu beschreiben wie die Entwicklung unserer Menschheit nur auf eine Weltgesellschaft, bzw. eine Global Gouvance⁵ hinaus laufen kann, wenn wir nicht im weltweiten Chaos versinken und sterben wollen. Vielleicht übernehmen, aber auch vorher die Maschinen mit ihren KI’s. Was ich ihnen sagen möchte, ist, auch wenn sie sich einem Diskurs mit mir entziehen wollen, ich werde dies nicht tun! Denn unter anderem beruht jegliches Verständnis von Gesellschaft auch auf Aushandlung, Diversität und vor allem auf einem Diskurs den es zu führen gibt und gilt. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich kann durchaus Ihre Sorgen nachvollziehen und Peter Sloterdijk⁶ beschreibt in einem Interview recht gut was genau sie umtreibt und wovor Sie und Ihre Anhänger_innen sich fürchten oder mit was Sie nicht mehr klar kommen. Wenn Sie der Überzeugung sind das Sie oder irgendwelche Populist_innen, irgendwelcher angeblicher Volksvertreter_innenparteien die Einzigen sind die eine angebliche Wahrheit sprechen dann haben Sie tatsächlich die Rechnung ohne Menschen gemacht die sich für ein Verständnis von EINER Menschheit und von vielen miteinander interagierenden Individuen stark machen und vor allem ebenso wie Sie, laut sind. Es gibt eben Dinge die nicht unwidersprochen stehen bleiben können und dazu gehören Ihre Aussagen. Das sollte in einer Gesellschaft, zwischen Wurzen und Grimma, ok sein ;-)!

Ich bin froh im 21. Jahrhundert zu leben und mich nicht romantisierend ans Mittelalter zu klammern, auch muss ich nicht einer angeblichen Wende nachtrauen, denn was uns dieses Spektakel gebracht hat, habe ich ebenfalls schon im Hauptartikel beschrieben und ehrlich gesagt beginnt die historische Aufarbeitung der DDR und der Nachwendezeit gerade erst. Deshalb wäre es auch völlig vermessen dort irgendwelche unqualifizierten Reflektionen abzugeben. Das werden die Historiker schon alles noch in den richtigen Kontext setzen und dort bin ich dann wieder bei Herrn Sloterdijk wenn er sagt: Wenn du „… als durchschnittlicher Altmensch, an keiner Stelle der Welt vor Innovation mehr sicher bist. Und die Unruhe steigt, denn so viel ist klar: Der Mensch erträgt das Gleiten nur, wenn er zugleich das Gefühl hat, irgendwo drinnen in seinem Wesen existiere so etwas wie ein ruhender Pol, der sich in allem Wandel gleich bleibt.“ In meiner Arbeit nennt sich dies Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein oder individuelle Identität. Scheinbar ist diese sehr vielen abhanden gekommen oder sie durften diese nie erlernen oder erfahren. Weiter sagt Sloterdijk dann: „Solange sich der Mensch als Agent und Zuschauer der eigenen Verwandlung betrachten kann, erlebt er sie mit Gewinn. Sieht er sich jedoch als Opfer eines Wandels, den er ablehnt, tritt ein Unbehagen an die Stelle des Geniessens. … Mir scheint, heute sei das Unbehagen eher damit verbunden, dass man das Zuschauerprivileg verliert. Wenn viele das Gefühl bekommen, von Zuschauern zu Opfern zu werden, dann treten Widerstandsreaktionen auf. Das Prinzip der politischen Parteienbildung ist die Umwandlung von erlittener Veränderung in offensive Alternative: Die typischen Parteien sind Agglomerationen von Menschen, die dieselbe Erfahrung des Unbehagens in der verlorenen Sicherheit teilen.“ Das bringt mich dann wieder zurück zu meinem Hauptartikel und zu meiner Behauptung das Sie und ein Großteil (ich kenne tatsächlich auch andere, positive Beispiele) der soge- bzw. selbsternannten Bürgerrechtler_innen der „Friedlichen Revolution“ die letzten 28 Jahre nix anderes gemacht haben als zugeschaut wie der Neoliberalismus und der Egoismus des Einzelnen ein nicht mehr ertragbares Ausmaß angenommen hat und nun kollabiert eben alles und viele haben sich nur mit ihrem Haus, Boot, Garten oder Auto auseinandergesetzt. Genau wie die ganzen AfD Wähler_innen oder Blaue Wende, GIDA Anhänger_innen, wie auch immer wir es nennen, kommen Sie einfach nicht mit der Veränderung, dem Wandel, klar. Eine Möglichkeit des „klar kommens“ wäre Akzeptanz von gesellschaftlichem Wandel der im 21. Jahrhundert eben etwas schneller ist als im 17. Jahrhundert. Dazu passt dann auch wieder ein Ausspruch von Sloterdijk wenn er sagt: „Je grösser der relative Wohlstand aller ist, desto schlechter fühlt sich der Einzelne, solange er nicht ganz oben ist.“ Am Besten ihr lest euch das überaus interessante Interview mal durch, dann kann ich nämlich auch aufhören es zu zitieren, Link findet ihr am Ende.

Kurzum sei gesagt, ich werde mich weiter streiten, ich werde weiter in Frage stellen wenn mir Aussagen und Behauptungen über den Weg laufen die ich nicht teilen kann und die in diesem besonderen Fall in Hetze gegenüber Freunden von mir mündet die sich seit vielen Jahren im NDK engagieren und genau wie Sie zufällig aus Wurzen kommen.

Wo waren Sie eigentlich in der Nacht vom 06. auf den 07. November 2004?

ANOTHER WORLD IS POSSIBLE…!

Song zum Text: When the Machines take over – Angstbreaker (2018)

Anlage 1: Mail und Screenshots

1) https://ef-magazin.de/2012/09/03/3674-ich-will-europa-der-volkssturm-blaest verfügbar am 03.04.2018
2) https://ef-magazin.de/2012/08/28/3667-die-evangelische-kirche-bleibt-sich-treu-praeses-schneider-und-die-raeuberbande verfügbar am 03.04.2018
3) https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=2018528101510015&id=1994129713949854 verfügbar am 03.04.2018
4) Saunders, Doug (2011): Arrival City – über alle Grenzen hinweg ziehen Millionen Menschen vom Land in die Städte – von ihnen hängt unsere Zukunft ab. München: Blessing Verlag
5) http://www.bpb.de/veranstaltungen/netzwerke/teamglobal/67464/definition verfügbar am 03.04.2018
6) https://www.nzz.ch/feuilleton/wir-erleben-ein-grosses-gleiten-ld.1370201 verfügbar am 03.04.2018

Ein Gedanke zu „Eine Mail und die Bestätigung von Denkweisen“

  1. Lieber Pudding,
    vielen Dank für all die Zeit, die Du aufbringst dich mit dem NFW zu beschäftigen. Ein wenig bewundere ich deine Ausdauer einen Diskurs zu suchen, der doch vermutlich unerhört bleiben wird.
    Schon die Auseinandersetzung mit dem „Schröder-Text“ fand ich ziemlich gut. Wenn ich auch an verschiedenen Punkten, insbesondere bei Fragen zur Möglichkeit von anarchistischen Gesellschaften, nicht Deiner Meinung bin, wünsche ich deinen Texten viele Leser, weil insbesondere die Frage nach der ganz grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen und der Sinnlosigkeit von Grenzen keine unterschiedlichen Meinungen haben kann. Dank auch für die eine oder andere Leseanregung.
    solidarische Grüße
    Ingo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.