Für eine Offene Gesellschaft – Gegen den Stellungskrieg der Positionen

Wer meine Social Media Auftritte regelmäßig verfolgt wird festgestellt haben das ich seit längerem versuche heraus zu finden wie verhärtet die Fronten zwischen den sogenannten politischen Lagern sind und ob es überhaupt noch eine Möglichkeit eines Diskurses in den Sozialen Medien oder bei einer offline Diskussion gibt. Ich lehne es ja schon sehr lang ab mich an solchen Kategorien wie Links, Rechts und Mitte zu orientieren, da ich der Überzeugung bin, das diese Kategorien nicht mehr in der Lage sind unsere gegenwärtige politische Situation abzubilden und zudem auch nicht mehr geeignet sind um die Vielfältigkeit und Diversität von Menschen und vor allem unserer unterschiedlichen Ideen des zusammenlebens darzustellen.

UPDATE 03.04.2018: Nach einer Mail durch ein Gründungsmitglied des Neuen Forums für Wurzen musste ich einen erneuten, wesentlich kürzeren Beitrag verfassen! Diesen findet ihr HIER

Wenn ich, der sich selbst als Anarchist bezeichnen würde, sage das wir unser zusammen leben und unsere gesellschaftliche Struktur besser in kleinen Solidaritätsstrukturen organisieren sollen, die dann wieder größere und trotzdem hierarchiefrei organisierte Solidaritätsetzwerke bilden, bin ich wahrscheinlich gar nicht so weit entfernt von Esoterischen, traditionellen Strukturen des Zusammenlebens wie sie z.B. durch einen Herrn Kubitschek oder die Germanische Siedler_innenbewegung favorisiert werden. Wenn wir uns rein weg auf das Zusammenleben beschränken und die Unterschiede der hierarchiefreien und stark hierarchisierten Struktur außen vor lassen. Bin ich deshalb rechts, wenn ich eher kleinere Formen der Gemeinschaft bevorzugen würde, als große, globale wie Staaten oder deren Verbünde wie eine Europäische Union? Ich denke nicht! Da ich von einer Gleichwertigkeit des Menschen und des Individuums ausgehe und grundsätzlich jedem Freiheit zugestehe solange er die des anderen nicht einschränken mag, bin ich da dann Links? Ich meine ganz herunter gebrochen sind wir nun mal Menschen und all die Unterschiede die es geben mag haben Hintergründe die wir durchaus gesellschaftlich, ökonomisch oder kulturell begründen können. Je nachdem wo der Mensch nun mal geboren wurde. Das ist unterm Strich also kein konstruiertes Links oder Linksversüfftes Denken. Nein das ist Biologie und damit Wissenschaft. Wenn auch einige Religionen bzw. deren Strömungen und Sekten dies in Frage stellen, ist es denke ich jedoch die wissenschaftlich bewiesene Theorie eines Menschen ohne irgendwelche Rassen oder sonstigen biologischen Abstufungsmodellen.

Was ich damit sagen möchte ist, das diese komischen Kategorien wahrscheinlich nur einen Zweck haben. Sie wollen Schützengräben definieren und unsere komplexe Welt möglichst einfach halten! Die da oben, die da Links, die da Rechts und wir da in der Mitte, aber so einfach ist es nicht. Das brauchen wir nicht diskutieren, denn es gibt keinerlei ordentliche Erklärung was diese Kategorien in der heutigen Zeit überhaupt noch sein sollen. Es ist maximal die Sitzplatzordnung in den Parlamenten. Ob dies nun eine wirkliche Orientierung unserer Vielfältigkeit ist vage ich ernsthaft zu bezweifeln. Ein Student in Griechenland hat zu mir im Jahr 2016 mal gesagt, das er sich beim durchlesen des Wahlprogrammes der Partei „Die Linke“ gedacht hat, das er das Wahlprogramm der Nea Dimokratia liest, was in Griechenland die konservative Partei ähnlich der CDU bei uns ist. Da habe ich mir dann tatsächlich ernsthafte Gedanken gemacht und festgestellt, ja stimmt im klassischen Sitzmodel gibt es „Links“ der Linken nur noch die MLPD (die allerdings kaum irgendwo sitzen) und naja was ich als Anarchist vom Leninismus und weiten Strecken des Marxismus halte muss ich wahrscheinlich nicht erläutern. Also zusammengefasst, wenn ein Erasmus Student aus Griechenland bei seinem Aufenthalt in Deutschland feststellt, dass das linkeste was die Parteienlandschaft Deutschlands zu bieten hat in seinem Verständnis eine konservative Partei ist, dann sollten wir schnellstmöglich aufhören diese Wörter zu verwenden und lieber mal über Inhalte sprechen. Das Gute an Inhalten ist, das wir tatsächlich gezwungen sind wenigstens halbwegs am Thema und den Begrifflichkeiten zu bleiben. Bei den parlamentarischen Sitzanordnungsbegriffen, oder Straßenverkehrsrichtungsdefinitionen wird einfach alles zusammen gewürfelt, je nachdem wie es einem in den Kram passt und damit ist jede Diskussion überflüssig und wir sind im Stellungskrieg der Richtungen.

Da mich das in den aktuellen Debatten tatsächlich sehr anstrengt, freute es mich, ganz in der Nähe von Grimma, nämlich in Wurzen auf einen Beitrag gestoßen zu sein der doch tatsächlich ohne diese Begriffe versucht Position zu beziehen und seine Meinung äußern möchte. Ich beziehe mich aussschlieslich auf die verfasste Grundsatzerklärung des sogenannten „Neuen Forums für Wurzen“ (kurz: NFW), da ansonsten auf der Facebookseite dieser selbsternannten Bürger_innenbewegung die gleichen Ressentiments in populistischer Art und Weise bedient werden wie es bei einer AfD, den Identitären, den GIDA Bewegungen oder den Stammtischen quer durch Deutschland der Fall ist. Diese populistische Art und Weise und die zuvor benannte Schützengrabenverteilung macht jedwede Diskussion mittlerweile überflüssig. Da in mir jedoch ein starkes Bedürfniss schlummert zu den Themen etwas zu schreiben, was über die Sitzverteilung der Parlamente hinaus geht, kam mir diese Grundsatzerklärung sehr recht um mich Ansatzweise empathisch auf die Gedankenwelt der Verfasser_innen einzustellen. Da diese Erklärung aus Wurzen kommt muss ich zusätzlich auch noch versuchen die Ereignisse der letzten Monate auszublenden, denn meine Wut über die Jahrzehntelange Gleichgültigkeit und das wegschauen eines überwiegenden Teils der Wurzner Bürger_innen würde den Artikel völlig verzerren und ich würde selbst in einem Schützengraben verschwinden.

Diese Thesen wurden angeblich von drei Menschen verfasst die ich hier namentlich erwähnen möchte: Richard Schröder, Eva Quistorp und Gunter Weißgerber. Die Tatsache das 2 der drei Theolog_innen sind führte mich dann irgendwie an den Rand des Wahnsinns, denn ich werde im Verlauf des Beitrages viel über Religion schreiben, worüber diese Menschen eigentlich besser bescheid wissen müssten als ich. Die Tatsache das die drei, laut ihrer Wikipedia Artikel, alle irgendwie einen sehr wichtigen Beitrag zur Entwicklung unserer Gesellschaft geleistet haben, hat mich dann zusätzlich schon wieder fast wütend gemacht. Denn ich hätte die Verfasser_innen wesentlich reflektierter und liberaler eingeschätzt als es die Thesen sind. Ich möchte hier behaupten, ihr habt euer Erbe irgendwie selbst beschmutzt, warum und wieso soll in den kommenden Zeilen deutlich werden. Schlussendlich hat dieser Umstand dann aber auch dazu geführt das ich mir die Mühe überhaupt gemacht hab und hoffe damit einen Beitrag zu den aktuellen Debatten zu leisten.

Da ich nicht zu allen Themen der Grundsatzerklärung etwas schreiben möchte, verwende ich nur Ausschnitte aus der Erklärung, dabei werde ich versuchen den Kontext nicht zu vergessen, bzw. werde mich bemühen die These der Erklärung als Gesamtes zu betrachten. Wer sich diese in Gänze durchlesen mag findet sie in ihrer Gesamtheit als Anlage 1, damit ich nicht die Facebookseite des Forums verlinken muss.

Die Grundsatzerklärung trägt die Zwischenüberschrift: „SICHERE GRENZEN FÜR EIN WELTOFFENES WURZEN“

Hier deute ich hinein das eine Weltoffenheit nur möglich ist wenn sichere und kontrollierte Grenzen entstehen und existieren. Das Thema Grenzen ist für mich als Anarchist natürlich eine Barriere die ich nicht greifen kann, da ich der Überzeugung bin das in einer idealen Welt, Gesellschaft auch ohne Grenzen funktioniert. Sofern wir als Menschen dies zu lassen und organisieren können, dass Menschen gleichberechtigt und auf Augenhöhe miteinander umgehen. Die Welt als solches umfasst in seiner Gesamtheit alles was sich auf dieser Welt befindet und wenn ich weltoffen sein möchte, muss ich auch alles was in der Welt existiert in irgendeiner Art und Weise tolerieren, auch wenn ich damit nicht einverstanden bin. Die Akzeptanz steht ja noch einmal auf einem ganz anderen Blatt. Will ich jetzt also ein Weltoffenes Wurzen sein, müsste ich rein logisch betrachtet auch alles was die Welt zu bieten hat in Wurzen tolerieren, denn damit wär ich offen für alles was die Welt umfasst. Mit „sicheren“ Grenzen möchte ich jedoch Menschen, Tiere, Güter oder Kapital welches ich nicht möchte außen vor lassen. Es kann quasi ruhig existieren, ich toleriere es auch, aber NICHT in Wurzen oder Deutschland. Dies ist nicht Weltoffen sondern dies ist geschlossen und ein Wiederspruch in nur 6 Wörtern. Wenn ich Weltoffen bin toleriere ich die Dinge die in der Welt passieren und auf ihr existieren und finde Möglichkeiten damit umzugehen, wie ich z.B. mit diesem Beitrag, denn ich verstehe die Welt als eine Gesamtheit von allen. Wenn diese Gesamtheit nicht dem Weltbild des Neuen Forums entspricht dann reden wir ggf. von unterschiedlichen Weltbildern. Z.B. das die Welt ein riesiger schlafender Transformer ist oder eben doch eine Scheibe.

These 1

„… Daraus ergibt sich zwingend, dass Europa die Immigration regulieren muss.“

Da das Bevölkerungswachstum exponentiell ansteigt und keinen liniearen Anstieg als Grundlage hat, ist es logisch das Ressourcen, wie z.B. Lebensmittel, Wasser oder sonstige Rohstoffe, aber auch Räume die Leben und Entfaltung ermöglichen enger und knapper werden. Da wir von einer Welt und der Weltbevölkerung sprechen, können wir es uns nicht so einfach machen wie es die These 1 des NFW gern hätte. Wir können das Bevölkerungswachstum eben nicht durch Grenzkontrollen oder kontrollierte Zuwanderung eindämmen. Das Wachstum bleibt existent und es kennt auch keine Grenzen. Kurzfristig scheint dies vielleicht eine gute Lösung, langfristig ist sie nicht zu gebrauchen, denn die Weltbevölkerung wird nicht aufhören zu wachsen weil das NFW oder die Verfasser_innen der Thesen dies so möchten. Ergo bedeutet dies wir müssen nach Möglichkeiten suchen wie wir dem Hunger und dem Krieg der Weltweit herrscht entgegen treten und wie wir uns gesellschaftlich aufstellen können damit wir dieses Bevölkerungswachstum abfedern und vor allem gut und gleichberechtigt damit leben können. Eine andere Möglichkeit klingt krass und an die denke ich persönlich nicht, aber das Gegenteil wär die Weltbevölkerung zu minimieren, das Wachstum bleibt bei dieser Variante dennoch erhalten. Da dies keine Option darstellt und die These 1 eine kurzfristige Scheinmöglichkeit der Lösung ist sollten wir nach gemeinsamen Möglichkeiten suchen die sich dieser Aufgabe stellen. Gemeinsam Europa mit Afrika und Nahost, die USA mit Südamerika usw.! Des weiteren schürt die These 1 schlichtweg Ängste.

These 2

„Wir müssen klar unterscheiden zwischen drei Gruppen.“

Eine Unterscheidung ist im Kontext von Flucht nur sehr schwer möglich, denn wo ist denn da die Grenze und wie werden dann Menschen betrachtet die Deutschland verlassen weil sie diesen Druck und diese unpersönliche Leistungsgesellschaft nicht mehr ertragen. Sollen die dann in anderen Ländern auch keine Chance mehr erhalten? Wenn dann muss über eine Regelung nachgedacht werden die Weltweit für alle Menschen gilt. Wenn ich mir jetzt überlege ich will Deutschland verlassen, was mit hoher Wahrscheinlicheit irgendwann der Fall sein wird, dann kann ich doch nicht erst warten bis ein Krieg ausbricht und ich daraufhin in einem anderen Land als Kriegsflüchtling anerkannt werde. Nein ich möchte die Möglichkeit haben dort hin zu gehen und zu leben wo ich möchte, dies nennt sich Selbstbestimmung und ist ein wesentlicher Teil einer freiheitlichen Denkweise. Da ich gern diese Freiheit haben möchte kann ich anderen nicht diese Freiheit absprechen, denn dann habe ich diese Freiheit nicht verdient! Dies ist eine Grundsätzlichkeit der Freiheitsdebatte. In der These heißt es zum Schluss „Anreize, die außereuropäische Migranten aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland locken, sollten abgebaut werden.“ Das wäre schön, dann müssen wir aber darüber reden wie wir den Reichtum global anders verteilen und wie wir vielleicht ein europäisches Sozialsystem auf die Reihe bekommen. Der Knackpunkt ist jedoch die ungleiche Verteilung des Geldes und dies trifft nicht nur auf die großen Player zu.

In der These 2 werden unter anderem Regularien und die Genfer Konvention sowie die willkürliche persönliche Kategorisierung von Menschen bemüht um eine Lösungsmöglichkeit aufzuzeigen um die individuellen Ängste zu überwinden. Auch dies stellt keine Option dar. Zusammenfassend wäre es sinnvoller wenn die Menschen ihre Sicht auf den allgemeinen Punkt der Migration verändern. Wir über gleichberechtigtere ökonomische Systeme nachdenken und vielleicht von unserem hohen Roß, des privilegierten Mitteleuropäers herunter steigen. Wenn wir uns nämlich in einen globalen Kontext setzen geht es uns viel besser als vielen Menschen, ergo solange dies so ist und wir nicht darüber nachdenken wie wir diese weltweiten Gefälle auflösen, wird sich dieser Wohlstand nur mit Grenzen und Mord sichern lassen. Dies wird allerdings auch nur bis zu einem gewissen Punkt funktionieren und deshalb stellt dies ebenso wie These 1 keinen Ansatz für eine Lösung dar. Ich möchte mich auch auf der Welt frei bewegen dürfen, ergo sollte dies auch jeder andere Mensch dürfen und wenn er/sie/es vom Neoliberalismus und dessen Ausgrenzungsmechanismen so fasziniert ist, dann soll er/sie/es sein Glück innerhalb dessen suchen und vielleicht auch finden. Ich bin persönlich froh das ich dies irgendwie hinter mir lassen konnte und Arbeit und auch schönes Leben mittlerweile anders definiere!

These 3

„Vor dem Fall der Mauer mussten Flüchtlinge aus der DDR sich zunächst in eines der Aufnahmelager begeben, …“

„Der Staat muss Vorsorge treffen, dass seine Anordnungen auch durchgesetzt werden. …“

Diese These klingt wie eine Forderung nach wesentlich mehr staatlicher Kontrolle als wir jetzt schon haben, damit verbinde ich irgendwie ein back to the GDR! Auch frage ich mich was sollen zentrale Aufnahmelager bringen? Entweder wir verstehen uns als Offene Gesellschaft, dann brauchen wir so etwas nicht, oder eben als geschlossene Gesellschaft dann kann der Staat gern mit Aufnahmelagern und einer noch intensiveren Kontrolle der Menschen herum spielen. Bringen wird aber auch dies keine gesamtgesellschaftliche Lösung. Diese liegt nun mal eben in unserer Denkweise und was viele scheinbar in den Diskussionen vergessen, wir haben 2018 und nicht 1989 da liegt ne Menge Zeit und Entwicklung dazwischen! Zeiten ändern sich und zum Glück entwickeln wir uns weiter, ein Ruf nach DDR Methoden bedeutet einen oder mehrere Schritte zurück in der Entwicklung unserer Menscheit, wer auf solche geschlossenen Systeme Bock hat der kann in derartige Länder gehen und dort Leben. China, Saudi Arabien, Katar, Türkei, Moldavien …dort läuft es noch so wie ihr euch dies wünscht und dort werden Bürger_innenrechte ausgehebelt wo es nur geht. Wer also Bock hat dies mit sich machen zu lassen der kann diese Option wählen, warum sollten wir aber in einer Gesellschaft die sich als Offen versteht derartige Rückschritte machen?

These 4

„Nach dem Fall der Mauer haben manche gemeint, nun eröffne sich die Möglichkeit einer Welt ohne Grenzen. In Wahrheit kann ein moderner Staat die in ihn gesetzten hohen Erwartungen ohne Grenzkontrollen gar nicht erfüllen.“

Ein moderner Staat kann diese Erwartungen nicht erfüllen, wenn er der einzige Staat ist der diese Erwartungen erfüllen möchte. Stimmt soweit! Deshalb sollte die Gesellschaft dazu übergehen ihre Anforderungen anders zu stellen, denn wenn wir in einer Welt, ohne die mittlerweile überflüssigen Konstruktionen von Staaten leben würden und offen und gemeinsam als Gesellschaft nach Lösungsmöglichkeiten suchen würden, dann würden wir auch welche finden. Indem wir aber immer und immer wieder neue Grenzen, im Kopf, auf der Landkarte und unter den Menschen ziehen, verhindern wir den Fortschritt. Scheinbar ist das mit der „Wende“ im Jahr 1989 vielen Menschen gar nicht bewusst, aber für den Kapitalismus und den damals heraufbeschworenen Neoliberalismus war dies das Beste was passieren konnte. Es hat sich eine völlig neue Konsument_innengruppe für einen unüberschaubaren Markt geöffnet. Alle haben JUHU geschrieen und völlig unreflektiert dem Neoliberalismus und dem angeblichen grenzenlosem Wachstum das gegeben was es brauchte: Kaufkraft. Nichts anderes passiert aktuell, zumindest ist dies meine Wahrnehmung, der Markt benötigt Menschen die unreflektiert konsumieren und wer bietet sich denn dafür besser an als Menschen die bisher an dem First-Class Markt nicht teilhaben durften? Noch einfacher wird dies natürlich wenn ich den zukünftigen Konsument_innen noch die notwendigen Mittel zur Verfügung stelle. Was scheinbar die ewig gestrigen nicht verstehen wollen und was Ökonomen seit über 10 Jahren versuchen zu erklären ist, das es einfach kein grenzenloses Wachstum bei begrenzten Ressourcen geben kann, was denke ich jedem Menschen einleuchtet. Heißt im Umkehrschluss das die ungleiche Verteilung des Wohlstandes (Europa im Verhältnis zu Afrika oder Nah Ost, Nord zu Südamerika, China zu Indien oder Indonesien) nicht auf ewig in genau dieser Art und Weise bestand haben wird. Was wiederum bedeutet das die Migrationsbestrebungen von Menschen aus nicht so reichen Ländern nicht enden werden bevor wir nicht damit anfangen einzusehen das der Wohlstand nicht auf ewig zu sichern sein wird. Wir sind im Grunde nur reich weil es anderen nicht so gut geht, besser sie arm sind. Was bedeutet, mit dem zusteuern auf des Ende der Ressourcen müssen immer mehr Konsument_innen zur Verfügung stehen die kaufen, damit sich die Produktion lohnt, solange noch Menschen für die Produktion notwendig sind funktioniert das irgendwie. Wird dies irgendwann nicht mehr der Fall sein (Industrialisierung 4.0) dann stehen wir vor ganz anderen Herausforderungen. Die letzten 20 Jahre haben uns deutlich gezeigt wie Technik sich entwickelt, diese ist wesentlich schneller als die Gesellschaft in der Lage ist sich zu entwickeln. Ich könnte dies jetzt noch weiter ausführen. Jede_r sollte aber in der Lage sein ein Buch von Wolfgang Fritz Haug zum Thema Wirtschaftswachstum zu lesen und unterm Strich möchte ich damit sagen das wir mit dem blinden Gehorsam gegenüber der Neoliberalen Logiken nichts daran ändern werden das unsere Welt den Bach runter geht.

Eure Forderungen nach Grenzkontrollen werden also rein gar nix daran ändern, denn ein Markt kennt keine Grenzen. Diesen Fehler der blinden Akzeptanz eines mit Fehlern und Makeln behafteten Wirtschaftssystems haben unsere Eltern und Großeltern 1989 bereits gemacht. Bis vor ein paar Jahren war auch alles gut, jetzt erkennen allerdings scheinbar viele das dies so alles nicht funktioniert und es wird krampfhaft nach Auswegen gesucht! Das Sozialsystem trägt sich einfach nicht mehr, was ganz klar ist, denn immer weniger Menschen müssen arbeiten damit die Wirtschaft läuft, weil die Technik immer mehr Arbeit abnimmt. Was dazu führt das nur wenige noch reicher werden, nämlich die welche die Produktionsmittel besitzen. Ich bin mir nicht sicher ob ihr das nicht sehen wollt oder sehen könnt. Für uns als Menschen bedeutet dies dehalb das wir uns im Rahmen von Gesellschaft zwingend anders organisieren müssen, denn der Staat wird die Daseinsfürsorge in den jetzigen Modellen nicht mehr lange gewährleisten können. Also entweder wir fordern Veränderungen, wie z.B. ein Grundeinkommen o.ä. ein oder wir fordern unsere Grenze zu sichern um das jetzige Modell noch 10-20 Jahre zu sichern (wenn es überhaupt noch so lang stabil bleibt), nur was ist mit unseren Kindern? Sind diese euch egal? Das Nationalstaatsprinzip ist völlig überholt und kann mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten unserer Welt nicht konkurieren. In der These steht: „Bei völlig offenen Grenzen ist ein Sozialstaat unmöglich, denn das bedeutete: unbegrenzte Ausgaben bei begrenzten Einnahmen“ Der Satz wäre anders noch richtiger, ein Sozialstaat gemäß der aktuell üblichen Modelle ist bei einer Weltbevölkerung von 7,6 Mrd Menschen nirgends auf der Welt möglich. China führt bereits ein Social Credit System im Jahr 2020 ein (hier mal ein Video vom #34C3 zum Thema) um in ihrem Land nur noch bestimmten und kontrollierbaren Menschn einen Zugang zum Markt zu verschaffen. Freiheit adé. Nationalstaaten und damit verbundene sozialstaatliche Grundsätze können einfach nicht mehr funktionieren da die Märkte global und international funktionieren. Heißt wir sollten vielleicht besser mal mit diesen egoistischen Grenzsicherungsdebatten aufhören und dazu übergehen über ein globale Gesellschaft und deren Fortbestand und Existenz nachzudenken. Nur wenn wir uns jetzt anders organisieren als wie bisher können wir gemeinsam Lösungen finden und Ideen probieren. Nation gehört zu den bereits gescheiterten Modellen, da lang erprobt und jetzt am Boden!

Im Kontext der Nationalstaaten versucht die These Probleme mit Feiertagen und Sprachen zu konstruieren. Hier möchte ich dagegen halten, indem ich einfach mal behaupte das ich mit einem Bratwurstessenden 35 Jährigen Fußballfan aus Deutschland der in der Kneipe mit seinen Kumpels gern mal paar Frauen- und Schwulenfeindliche Witze erzählt, viel weniger gemeinsam hab als mit einem 35 jährigen musizierenden Surfer Dude in Portugal oder einem Sozialarbeiter in Mexiko. Soviel zu dieser ominösen Identitätsfrage. Identität ist doch heute eher ein Ergebnis der persönlichen Individualisierung und diese ist frei und wahnsinnig Vielfältig, da wir zum Glück in einer relativ offenen Gesellschaft leben. Die Zwangszusammenhänge der Identitäten sind einfach nicht mehr auf Wohnort, Herkunft oder sonstige pauschalisierende Merkmale reduzierbar. Wenn wir dann auf dem Territorium der heutigen BRD in der Historie zurück gehen, dann wird jede_r feststellen das es auch dort keine Deutsche Identität gab, da es gar kein Deutschland gab. Das einzige was vielleicht alle so zwischen dem 9. – 16. oder 17. Jahrhundert einte war die Verbrennung von Menschen weil sie der Hexerei bezichtigt wurden oder die Tötung der jüdischen Bevölkerung weil sie angeblich die Pest verbreitet hätten, im 20. JH dann wieder mal ein Genozid wegen angeblicher Rassen. Ein weiteres verbindendes Element war, das der überwiegende Teil irgendwelchen Feudalherren untergeordnet war, an Bürger_innenrechte war nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes mit Luthers Unterstützung, in Form eines Verrates gegenüber den Bauern, gar nicht mehr zu denken. Das hatten irgendwie alle Stämme/Völker und Leibeigene aus denen Deutschland geformt wurde gemeinsam, naja und sie waren besessen vom Christentum, das ein paar Jahrhunderte zuvor, wie heute angeblich der Islam, aus dem Morgendland (heutiges Israel/Nahost etc.) nach Europa importiert wurde. Woraufhin dann auch prompt begonnen wurde ganze Dörfer nieder zu brennen wenn die Bewohner_innen sich nicht taufen lassen wollten. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde dann zwischen katholisch oder protestantisch unter den Feudalherren gewechselt, wie es grad finanziell lukrativ war. Tja und heute wollen mir Menschen die noch nie eine Kirche von Innen sahen irgendwas von christlicher Abendlandsmoral oder Tradition erzählen?

Diese Identitätsfragen muss und sollte jede_r für sich selbst beantworten, entscheidend ist, welche Zusammenhänge und welche Umstände ihm auf dem Weg seiner Entwicklung geprägt haben. Das macht Identität aus, wer das Land indem er zufällig geboren ist für die Existenz seiner eigenen Identität missbraucht ist leider arm dran, denn daraus Schlussfolgere ich als Sozialarbeiter das er nix anderes hat mit dem er sich identifizieren kann. Das ist traurig und der Verweis auf andere Länder hinkt, denn auch dort wird die Identitätsfrage individuell beantwortet, zumindest habe ich in Gesprächen diese Erfahrung gemacht. Zusätzlich waren die anderen, in der These benannten, Länder schon paar Jahrhunderte vor Deutschland einheitliche Nationalstaaten, was mit Bürger_innenrechten und gemeinsamen Rebellionen gegen ihre Herren oder einer allgemeinen gemeinsam Historie, einher ging. Das ganze Identitätsding ist geprägt von Diversität, erwähnte ich glaube schon. Was angebliche Deutsche Kultur ist lernt jede_r von uns in der Schule, diese dann aber zu Missbrauchen war denke ich nicht im Ansinnen eines Herrn Goethe, Brecht oder wie sie alle heißen, denn diese Herren waren unter anderem Verfechter des Humanismuses…kann sich jetzt jede_r mal durch den Kopf gehen lassen. Weiterhin ist auch der Kulturbegriff mit Vorsicht zu genießen denn auch Gesellschaft gehört zur Kultur sowie auch die Jugendkultur, diese Begriffe sind immer die Summe von etwas, bezogen auf eine bestimmten Zeitabschnitt und sie einfach unreflektiert über alle drüber zu stülpen ist gefährlich. Der Kulturbegriff steht im übrigen auch immer mal wieder zur Diskussion und wird ständig neu definiert! Heißt 100 Bücher 60 Kulturbegriffe, er eignet sich deshalb irgendwie nicht um Identität oder so etwas zu definieren. Die Simpsons haben für mich mehr Kulturverständnis als Trump, Merkel oder Putin und Fanny van Dannen hat für mich mehr mit Deutscher Kultur zu tun als irgendwelche Volkslieder die wir in der Schule singen mussten. Wie ihr merkt ist diese ganze Kultursache ziemlich subjekktiv!

Der mit Abstand lustigste Punkt in den Thesen war jedoch die Bezugnahme auf die Feiertage! Also von mir aus können auch die christlichen Feiertage abgeschafft werden. Wir haben keine Staatsreligion und entweder alle Religösen Feiertage raus aus dem Kalender oder im Sinne der Gleichberechtigung aller Religionen, alle Feiertage rein in den Kalender! Mir wäre es schnuppe. Die Trennung von Kirche und Staat ist im übrigen ein wesentliches Merkmal einer Demokratie und einer zivilisierten Offenen Gesellschaft, wer also auf diesen ganzen Christenkram und die Abendlandsverteidigung so abgeht sollte sich vielleicht mal ernsthaft Gedanken über sein demokratisches Verständnis machen! Denn im Grunde ist das was ihr fordert nicht zu unterscheiden von den Forderungen die ein politischer Islam stellt, ihr stellt halt Forderungen im Sinne eines politischen Christentums! Religionsfreiheit und Gleichberechtigung JA, ZWANG zu irgendwas und politische Religöse Forderungen, egal welcher Religion, NEIN!

These 5

Diese These würde ich verkürzt zusammenfassen mit: Rassismus und Fremdenhass bekämpfen indem keine Fremden Menschen mehr nach Deutschland kommen dürfen!

Abgesehen davon das es eben nun mal keine Rassen gibt und ihr ständig Menschen anderer Geburtsländer meint muss ich bei dieser These anmerken das die Römer, Perser und Ägypter schon wesentlich weiter waren was dieses Thema betrifft. Denen war vor 2000 oder 2500 Jahren bereits klar das es gegen den Baum läuft mit der Menschlichen Entwicklung wenn der Stamm, bzw. das angebliche Volk unter sich bleibt! Bei dieser These bleibt mir nix anderes übrig als auf meine vorhergenden Aussagen zur Weltgesellschaft zu verweisen. Irgendwann wird die Erde und ihre Ressourcen zu knapp, das dürfte außer Frage stehen. Bis es soweit ist, ist die Erde jedoch groß genug und wir können uns frei bewegen, damit sollten dies alle Menschen die auf der Erde leben, tun dürfenn. Bis dann die Erde durch das Wachstum der Weltbevölkerung irgendwann zu knapp ist können wir sicherlich auf andere Planeten ausweichen oder zerstören uns gegenseitig mit Atomraketen, auf der Grundlage von konstruierten Staatsbildern und für falsche Zugehörigkeitsgefühle, selbst!

Klingt bisschen SciFi ist aber meine Sicht der Dinge!

Es fehlt im übrigen weltweit an Pflegepersonal, Lehrer_innen, Ärzten und gut ausgebildetem Fachpersonal, da dies ein globales Problem ist sollte dies auch global beantwortet werden. Damit lösen sich im übrigen auch viele Migrationsfragen. War mir wichtig noch mit zu erwähnen da die These damit irgendwelche Begründungen, für: „Grenzen dicht“, geben wollte.

These 6

In der These 6 versuchen die Verfasser_innen Fragen des Familiennachzuges, der Familienzusammenführung unbegleiteter minderjähriger Migrant_innen und der Integration im allgemeinen auf Grundlage der Regelungen von Herkunftsländern und deren Einstufung als sicher oder unsicher zu beantworten. Wie ich in den anderen Punkten bereits ausführte werden diese Überlegungen überflüssig sofern wir uns davon lösen in Nationalstaatlichen Kontexten zu denken. Entscheidend ist doch hier wo eine Familie für sich die bessere Zukunft sieht und wo sie glücklich werden kann!

These 7

„Angst vor Fremden ist per se weder rassistisch noch faschistisch.“

Was ist mit meiner Angst vor prügelnden Hooligans unter der Fahne Deutschlands, mit meiner Angst vor einer AfD die am liebsten alle andersdenkenden Menschen hinter Gittern sehen wollen würde, mit meiner Angst vor Identitären und Nazikameradschaften? Ist diese Angst weniger Wert oder ist diese Angst unbegründet? Jede_r von uns hat Ängste und jede_r kann lernen mit diesen Ängsten umzugehen. Ich habe für meine Ängste den Weg der Kommunikation und des Mitteilens, sowie die aktive Teilhabe an Gesellschaftsverändernden Prozessen gewählt. Gegen die Angst vor dem angeblich Fremden hilft am Besten das Reisen oder das reden mit den angeblich Fremden. Eine für mich also nicht nachvollziehbare Argumentationslinie. Die Europäer hatten eine Zeit da sind sie in alle möglichen Kontinente dieser Erde aufgebrochen und haben dort die Einheimischen eingeschüchtert und verängstigt. Heute kommen dafür Menschen hilfesuchend nach Europa, ergo ist nix schlimmes sondern eher Normalität und eines macht die heute zu uns kommenden Menschen besser als die Europäer in ihrer historischen Vergangenheit, das ganze passiert ohne Kolonialisierung, Unterdrückung, Sklaverei und blutrünstigem großflächigen Religösen oder Freizeitbeschäftigungs- Mord (die paar religös motivierten Terroranschläge können wir hier im Verhältnis durchaus vernachlässigen, auch wenn ich sie damit nicht legitimieren möchte)!

These 8

Diese These bedarf einer komplexen Stellungnahme. Sie war auch der Initiator das ich die Motivation für meinen Text aufbrachte. Es tauchen viele Punkte auf die mich persönlich beim lesen sehr verwirren und die auch schlichtweg falsch oder Unterstellungen sind. Deshalb werde ich nicht drum herum kommen diese, sogenannte, These (wissenschaftlich betrachtet sind das alles tatsächlich keine Thesen, da ich im Laufe der Bearbeitung auch festgestellt hab ich kann kaum Antithesen aufstellen) komplett zu bearbeiten. Im Zusammenhang mit diesem Thema sollte der gesunde Menschenverstand hellhörig werden und die propagierten Aussagen nicht einfach weiter plabbern. Geht mensch ein bisschen in der Geschichte, besonders in der Geschichte der Religionen zurück, wird mensch Dinge feststellen die so gar nicht zu den in dieser These getroffenen Aussagen passen. Wer sich mit diesem Thema intensiver beschäftigen möchte findet in dem Buch von Michael Schmidt-Salomon (Die Grenzen der Toleranz; Piper 2016) einiges an Quellenhinweisen die zum Verständnis dieser Fragen ihren Beitrag leisten können.

„Integration. Allgemein wird unterstellt, dass Zuwanderer sich integrieren wollen. Für Zuwanderer aus europäischen Ländern stimmt das auch, übrigens auch für Zuwanderer aus ostasiatischen Ländern.“

„Für Zuwanderer aus islamischen Ländern gilt das nur bedingt.“

Dies ist ein absolute Unterstellung, denn ich bezweifle das die Verfasser_innen eine empirische Studie mithilfe von Interviews oder Befragungen angefertigt haben um diese Aussage wissenschaftlich zu untermauern. Diese Aussage ist schlichtweg polemisch und soll den Zweck erfüllen Menschengruppen gegeneinander auszuspielen bzw. gegeneinander aufzustacheln. Dafür wird sonst das Wort Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit oder Gruppenbezogene Diskriminierung verwendet. Diese Aussage diffarmiert völlig unreflektiert ganze Menschengruppen völlig willkürlich. Diese Aussage ist schlichtweg Menschenfeindlich und kann so nicht blanko im Raum stehen bleiben.

„Bei Muslimen treten leider besonders häufig Integrationsprobleme auf.“

Hier begegnet uns erneut eine Muslimfeindlichkeit oder ein Antimuslimismus (ich verwende diese Begriffe bewusst da die Verwendung des Begriffes Kulturrassismus falsch wäre und Kultur und Ethnie grundsätzlich unterschiedliche Dinge sind die in diesem Begriff vermischt werden) der sich zu Beginn der These bereits abzeichnete. Auch hier ist absolut nicht nachvollziehbar auf welcher Grundlage diese Behauptung getätigt wurde. In einem Land in welchem es per Gesetz Religionsfreiheit und die Freiheit Religionen abzulehnen gibt, sollten die Religionen auch kein hindernder oder begünstigender Grund für Integration sein. Außer es wird eine politische Religion voran gestellt, je nachdem wäre es dann für Christen schwierig sich in einen Islamischen Staat zu integrieren oder für Muslime schwierig sich in einen Christlichen Staat zu integrieren. Da Deutschland aber keine Staatsreligion hat und im Grundgesetz die Religionsfreiheit verankert ist bleibt diese Aussage eine reine Behauptung, denn Religion ist kein Integrationsfaktor in einer offenen Gesellschaft. An anderer Stelle wird für derartige Behauptungen das Phänomen der Gettoisierung bestimmter Stadtteile heran gezogen. Hier muss gesagt werden das im entstehen von Gettos oder Stadtteilen mit einem übermäßig hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, die Religion vielleicht eine Rolle spielt. Entscheidender ist soziologisch für die Entstehung derartiger Stadtteile jedoch die Soziale Schicht/Lage/Position der Menschen. Derartige Prozesse gibt es überall auf der Welt und die gab es auch schon immer, heißt ein solches Phänomen kann eher als normal bezeichnet werden.

„Das hat verschiedene Gründe. Es gibt im Islam keine altehrwürdige Tradition für das Leben in der Diaspora, als Minderheit also, und unter einer nicht islamischen Regierung.“

Dieser Aussage ist ebenfalls entschieden mit der Forderung nach einem plausiblen und historischen Beleg entgegen zu treten. Bis 347 n.Chr. galt im Römischen Reich die Religionsfreiheit und alle Religionen oder heidnischen Bräuche konnten gleichberechtigt nebeneinander existieren. In den Arabischen Metropolen wie Bagdad oder Damaskus ist bis ins 11. Jahrhundert noch von einer friedlichen Koexistenz der Religionen ohne Staatsreligion die Rede. Beendet wurde diese friedliche Koexistenz der Religionen dann durch die mordenden Räuberbanden aus Europa die unter dem Deckmantel der Kirche und einer Christianisierung plünderten, vergewaltigten und mordeten. Natürlich im Namen Jesu oder Gott. Worauf ich hier gern hinaus möchte ist, die Behauptung des Fehlens einer Tradition von einem Leben in der Diaspora. Wenn seit 347 n.Chr. das Römische Reich und dann die Katholische Kirche in ganz Europa alles unter einer Staatsreligion des Christentums durchführt, trifft diese Aussage wohl eher für Menschen zu die sich dem christlichen Glauben verpflichtet fühlen. Aus dieser Angst nach 1700 Jahren historischer Entwicklung in Europa die Mehrheit zu verlieren entsteht wahrscheinlich die Konstruktion eines islamischen Feindbildes. Anders als mit Angst kann ich mir das nicht erklären und ich persönlich fühle mich nach wie vor eher noch zum Christentum gezwungen als zu einer anderen Religion und dies drückt dann wahrscheinlich schon einiges aus. Es gibt eben nun mal viele Relogionen und viele Menschen die damit nix anfangen können, unterm Strich sollten wir alle miteinander klar kommen und die Kirche, Moschee oder die Bambusshütte mal im Dorf oder unserer Stube lassen.

„Und es gibt in der islamischen Welt zwar Reformbewegungen, die ähnlich wie die Reformation in Europa zum Ursprünglichen zurückkehren wollen, zu den Vorfahren (Salafisten), aber sie stoßen dabei nicht auf die Bergpredigt, sondern auf die Worte eines Staatsgründers und Feldherren.“

Also mit diesem Absatz in den sogenannten Thesen kann ich nicht wirklich etwas anfangen, denn er vermischt willkürlich eine Reformbewegung die vom Grundsatz her eine Liberalisierung favorisiert mit der Perspektive einer sehr radikalen, konservativen bzw. orthodoxen Auslegung und bezeichnet diese als Reform. Das verwirrt mich tatsächlich und ich möchte hier behaupten die Verfasser_innen schreiben dies aus einer gewissen Unkenntnis und Unsicherheit heraus. Deshalb möchte ich ein bisschen zur Aufklärung beitragen.

Martin Luther der mit seinem Thesenanschlag ja als Initiator der Reformation in Europa gehandelt wird ist sicherlich mit der richtigen Einstellung und guten Absichten an die ganze Sache heran gegangen, er lehnte sich mit seinen Thesen gegen die Unterdrückung der Gläubigen durch die Kirche auf. Er wollte religösem Ablasshandeln und willkürlichen Teufelsaustreibungen wie den Hexenverbrennungen ein Ende bereiten. Alles gute Ansätze doch unterschätzte er was seine Thesen vielleicht für eine Wirkung haben könnten. Überall, besonders aber in Süddeutschland und Thüringen, lehnten sich die Menschen gegen die Kirche auf, plünderten Bistümer und Kirchen, kämpften gegen den Adel, der gemeinsame Sache mit den Kirchen machte, und wollten ihrer Unterdrückung eine Ende bereiten. Das ganze wurde sogar unter Veröffentlichung der 12 Artikel von Memmingen (Wikipedia zu den Zwölf Artikeln, Stand 24.03.2018) niedergeschrieben und verbreitet. Das ganze war der zuvor bereits erwähnte Bauernaufstand in den unterschiedlichen Grafschaften und Fürstentümern auf dem Gebiet der heutigen BRD. Die 12 Artikel gelten als Vorläufer der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und auch als Richtungsweisend für die Ergebnisse und Ideen der Französischen Revolution. Tja nur zu dumm das sich Martin Luther gegen diese Artikel und das darin enthaltene Wahlrecht oder gar simple Freiheitsgedanken gegenüber den „Obrigen“ wandte. Durch diesen Verrat Luthers konnten dann die Bauern Stück für Stück besiegt werden da sich ihnen zunehmend die Unterstützung aus den anderen Fürstentümern entzogen wurde. Die „Obrigen“ setzten daraufhin eine Art Revolutionspolizei und Spitzel ein, auch wurden Strafen installiert und Exempel statuiert die verhindern sollten das sich die Leibeigenen gegen die Feudalherren erneut auflehnen und das sie überhaupt Unterstützung in der Bevölkerung erhielten. Tja bis dann in Deutschland auch nur annähernd derartige Forderungen der Unterdrückten anerkannt wurden dauerte es 300 Jahre. Wer also auf irgendeine Fortschrittlichkeit des Christentums und der Kirche oder irgendeine moralische Tradition eines angeblichen Deutschen Volkes besteht und dies lobt, sollte vielleicht mal noch das ein oder andere Geschichtsbuch zur Hand nehmen. Das die Unterdrückung durch die Feudalherren nach den Bauernaufständen noch schlimmer wurde muss ich hier sicherlich nicht erwähnen.

Ebenfalls taucht in diesem Abschnitt das Wort Salafisten auf und später kommen noch die Wahabisten ins Spiel. Dies mit einer Reformbewegung in Verbindung zu bringen kann ich nur auf Unwissen oder mangelnde Auseinandersetzung mit dem Thema zurück führen. Eine andere Form der Erklärung finde ich da nicht. Salafisten stellen eine Ultrakonservative und radikale Richtung innerhalb des Islams dar und ja wir sollten sagen dürfen das eine derartige Auslegung nicht zu tolerieren oder in irgendeiner Art und Weise zu rechtfertigen ist, denn es wird ein Gottesstaat mit einer Staatsreligion angestrebt die alle Nichtgläubigen und ins Bild passenden ausgrenzen möchte (wer mehr dazu wissen möchte: https://de.wikipedia.org/wiki/Salafismus). Mmmmmhh betrachten wir das jetzt mal bezogen auf das Christentum gibt es auch dort einen christlichen Fundamentalismus und der ist ebenso ausgrenzend und aus meiner Perspektive nicht zu tolerieren (https://de.wikipedia.org/wiki/Christlicher_Fundamentalismus), dort gibt es ebenfalls Strömungen die wie die Salafisten Gottesstaaten auf Grundlage der Bibel errichten wollen. Also unterm Strich nichts anderes. Teile des Christentums marschieren in Deutschland jährlich beim „Marsch für das Leben“ mit, Ziele dort sind Ablehnung von Abtreibung, Homosexualität und und und, alles Sachen die, das NFW und die Verfasser_innen dieser Thesen einzig und allein radikalen Islamischen Strömungen in die Schuhe schieben wollen. Das ist eine Betrachtungsweise die Eindimensional und schlichtweg polemisch ist. Außerdem möchte sie gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen hetzen. Wer sich mit liberalen muslimischen Gelehrten wie Jasser Auda oder Feisal Abdul Rauf auseinandersetzt wird feststellen, das diese die angeblichen demokratischen Mitteleuropäischen Länder näher dran an der Scharia sehen als mehrheitlich muslimische Länder. Nicht nur Muslime sondern auch viele Christen sollten erkennen und vor allem anerkennen das wir in einer Zeit leben die Liberal, Egalitär, Säkulär und vor allem individuell ist und das dies in keinerlei Widerspruch zu ihren Religionen steht. Deshalb ist an diesem Punkt fest zu halten das die Vergleiche und die geschürten Ängste absolut unberechtigt und Falsch sind und ich würde sie hiermit auf blanke Hetze reduzieren wollen.

„Wahabisten lehnen eine Assimilation oder Integration in die europäische Welt und ihre Wertvorstellungen ausdrücklich ab. Das ist für junge Muslime sehr attraktiv und ein Einfallstor für Radikalisierungen. Es ist ein verbreiteter Missstand, dass solche Kritik am Islam oft als Islamophobie diskreditiert wird.“

Richtig ist hier das Salafisten dies ablehnen, Wahabisten ist wie im Wikipediaartikel gut beschrieben eine Fremdbezeichnung für eine Gruppe innerhalb der Salafisten. Bis auf diesen, auf mangelnde Auseinandersetzung mit dem Thema zurück zu führenden, Fauxpas finde ich ebenfalls das wir sagen sollten das radikale und einer offenen Gesellschaft entgegenstehende Ideologien nicht zu akzeptieren sind. Ob wir sie tolerieren müssen wäre eine ganz andere Frage, denn kommt ja immer drauf an wie einnehmend die Strömung sein möchte.Ich möchte aber auch sagen dürfen das ich radikale und fundamentale Christen nicht akzeptiere da sie mit ihre Ablehnung gegen Homosexualität oder einem sehr sexistischen Bild der Frau einer offenen Gesellschaft entgegen stehen. Das derartige Strömungen für junge Menschen attraktiv sind liegt in der Sache der jungen Menschen, denn Radikalität zieht junge Menschen irgendwie an. Gleiches gilt aber auch bei Fußballhooligans und ganz besonders für die Anziehungskraft der Identitären, die irgendwie ein Europa zurück erobern wollen was sie sich in irgendwelchen Sagen und Märchen zusammen spinnen. Was diese Sache mit dem „Reconquista Europe“ angeht erschien erst letzte Woche ein interessanter Artikel der darauf Bezug nimmt, hier der Link: http://traumpilotin.de/nein-zu-faschismus/

Es ist auch in Frage zu stellen das es der überwiegende Teil muslimischer Jugendlicher favorisiert sein Leben als Krieger Gottes zu führen. Ich denke das Mobilisierungspotential ist genau so groß wie das Mobilisierungspotential der Identitären, Kameradschaften, Fußballclubs oder what ever! Damit dies irgendwie im Rahmen bleibt und Jugendliche sich selbst und anders definieren, dafür gibt es Menschen, Vereine, etc. die Jugendarbeit und Soziale Arbeit ausüben und versuchen den jungen Menschen zu ermöglichen eine Eigenständige und individuelle Identität aufzubauen, die dann unsere offene Gesellschaft weiter voran bringen kann.

„Typische Konfliktpunkte mit Muslimen, und zwar nicht nur den salafistischen, sind folgende: die Stellung zur Frau, zu den Juden, den Homosexuellen, denjenigen, die sich vom Islam abwenden (darauf steht die Todesstrafe), das Verhältnis von Staat und Religion sowie eine generelle Staatsverachtung zugunsten des Clans.“

Wie schon in der ganzen These Nummer 8 des NFW wird auch in diesem Satz alles durcheinander gehauen und zur Hetze missbraucht. Der Antisemitismus einiger islamischen Strömungen führte dazu das selbst Hitler zur Klärung der „Judenfrage“ mit dem Großmufti Al-Husseini gemeinsame Sache machte. Wenn sich das Christentum aber so grundsätzlich vom Islam unterscheiden würde, hätte die Kirche ja auch entschieden zur Machtergreifung Hitlers nein sagen können, haben sie aber nicht. Denn Homosexualität gilt auch in christlichen Kulturkreisen noch als abnormal, aus dem deutschen Gesetzbuch verschwand er gar erst 1994, also BITTE was sind dies für Argumente? Wie ich bereits sagte ist es unsere Aufgabe auf Trennung von Staat und Religion hin zu weisen, zu sagen das die Frau nicht zu unterdrücken ist und Homosexualität keine Krankheit ist. Viele Menschen die ich kenne und die muslimisch geprägt sind wissen das und sehen das auch so und ja wir sollten dies kommunizieren in einer Gesellschaft und wenn wir miteinander leben wollen. Dies aber pauschal allen Menschen der muslimischen Religionsgemeinschaft abzusprechen ist ganz schön diskriminierend. Wie ich auch schon ein paar mal erwähnt hab, muss dies auch vielen Christen in aller Deutlichkeit gesagt werden und wenn wir uns die Strukturen der Kirchen und deren Macht anschauen, möchte ich bezweifeln das in Deutschland eine 100%ige Trennung von Staat und Religion vollzogen wurde. Heißt wenn ich meine Stimme gegen den Islam und die Muslime erheben möchte sollten wir uns vielleicht zuerst mal an die eigene Nase fassen. Zum Thema Todesstrafe dürfte bekannt sein das die in einigen „christlichen“ durch Republikaner regierten Bundesstaat in den USA noch erlaubt ist, also ein verdammt hinkender Vergleich!

„Ein großes Problem besteht darin, dass die Muslime in Deutschland bisher außerstande waren, eine gemeinsame Interessenvertretung zu installieren. Solche Organisationen haben im Islam keine Tradition. Dies hat aber zur Folge, dass andere Staaten, vornehmlich die Türkei und Saudi-Arabien, über Moscheen-Vereine,die sie finanzieren, ihre nationalistische Islamversion in Deutschland verbreiten, was die Entstehung eines europäischen Islam behindert.“

Dies ist ein ganz schön harter Vorwurf, die christlichen Interessenvertretungen sind ja historisch aus der Kirche heraus gewachsen und sind riesige Konstrukte. Selbstverständlich gibt es keine einheitliche Interessenvertretung da die Strömungen nicht ganz so einfach in Evangelisch und Katholisch zu unterteilen sind. Alle anderen Christlichen Strömungen haben auch keine riesigen Interessenvertretungen. Die Behauptung mit der Türkei und Saudi Arabien trifft auch nur für die Vertretungen zu die im Sinne der theologischen Auslegung dieser Länder agieren. Diese sind die Sunnitischen Unterströmungen Hanefiten und Hanbaliten zu denen auch die Salafisten gehören. Diese sind allerdings in Deutschland stark in der Minderheit da diese nach dem geltenden Asylrecht nicht als verfolgte religöse Minderheiten zählen. Ich denke jetzt sollte klar sein das an der Aussage der Thesenverfasser_innen hier irgendwas nicht ganz stimmt.

Ich möchte abschließend zu dieser These betonen das es mir wichtig war diese These besonders genau unter die Lupe zu nehmen, da hier einfach Behauptungen in den Raum geworfen werden, die absolut keinen Beitrag zu einer ernsthaften Auseinandersetzung liefern. Teilweise völlig falsch oder verkürzt dargestellt sind und wahrscheinlich nur das Ziel verfolgen gegen eine Gruppe von Menschen zu hetzen. Zudem sind es teilweise Verschwörungstheorien und ich war wütend da diese Falschaussagen und dieses Halbwissen durch Theolog_innen verbreitet wird

These 9

Hier geht es verkürzt um die Bildung einer Partei die aus den Sorgen des angeblichen Volkes Profit schlägt.

Das sich eine Partei bildet um die angeblichen Sorgen von Bürger_innen zu thematisieren haben wir ja bereits erlebt und es werden sich weitere bilden. Die Bildung von Parteien hinterfragt jedoch nicht mal annähernd das existente System der parlamentarischen Demokratie und fordert somit auch keinen Fortschritt gegenüber einem „regiert werden“ ein! Fortschrittlich wären grundlegende Sozialreformen, mehr Gleichberechtigung und Mitsprache abseits von Parteien und fortschrittlich wäre auch endlich mal von den Reichen noch mehr zu nehmen und zu fordern um die Soziale Schieflage abzufedern. Scheinbar ist es die historische Last welche die unterschiedlichen Volksgruppen auf dem Territorium der heutigen BRD tragen (siehe These 4). Sie wollen scheinbar regiert werden, ob von Römischen Protekturen, Feudalherren, Priestern, Bischhöfen, Königen, Kaisern, Führern, Parteivorsitzenden, den Großkapitalist_innen oder sonstigen willkürlichen und zufällig regierenden. 1989 hatte eine Generation es in der Hand eine wie auch immer geartete Revolution mit einem demokratischen Fortschritt einzuleiten und durchzuführen. Doch sie haben sich vom Konsum, der Reisefreiheit und dem angeblichen Wahlrecht einlullen und abspeisen lassen. Das ganze wurde dann friedliche Revolution genannt, revolutioniert wurde dort aber absolut überhaupt nix, es änderte sich lediglich das Wirtschaftssystem, zumindest in den „Ostblock“ Ländern. Diesen Vorwurf mache ich der Generation meiner Eltern, das Ergebnis der völlig verqueren und unreflektierten Rückbesinnung sehen wir heute wie einen unüberwindbaren Scherbenhaufen vor uns liegen. Nun müssen wir mit dem Scherbenhaufen umgehen nachdem ihr 28 Jahre hemmungslos konsumiert habt! Danke für NICHTS!!!!!!!

These 10

„Wir müssen uns allerdings vor Illusionen hüten.“

Falsch!!!! Es ist dringend an der Zeit endlich mal wieder über Illusionen und Utopien für unsere Gesellschaft und unser zusammen leben zu sprechen! Wenn wir weiter in den aktuellen und traditionalistischen oder nationalistischen Fahrwassern schwimmen, werden wir untergehen. Untergehen und ertrinken bei vollem Bewusstsein.

Also lasst uns darüber sprechen wie eine Gesellschaft und eine Welt grundhaft anders gestaltet werden kann! Für mich sind Solidarische Strukturen und Netzwerke, basierend auf hierarchiefreien Organisationsformen nach wie vor eine mögliche und realistische Option, welche wir angehen und favorisieren sollten!

NO BORDER NO NATION

ANOTHER WORLD IS POSSIBLE…!

Wenn ihr bis hier her gekommen seit DANKE fürs lesen!

Ein Gedanke zu „Für eine Offene Gesellschaft – Gegen den Stellungskrieg der Positionen“

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