150 Jahre Hochschule Mittweida – Mein Wunsch und Kritik

Am Freitag wurde ab um zehn im Spiegelzelt in Mittweida der Festakt des 150 jährigen Jubiläums der Hochschule Mittweida abgehalten. Da ich im Rahmen der ganzen Feierlichkeiten im Vorfeld ja auch ein paar Worte zur Hochschule sagen durfte konnte ich mir für diese Feierstunde noch ein Ticket ergattern. Feierstunde trifft es im übrigen nicht ganz, denn es waren 2,5 Feierstunden!

Wahrscheinlich habt ihr alle eine gewisse Vorstellung wie ein solches Event abläuft. Richtig es werden Reden und Lobgesänge vorgetragen, es gibt musikalische Umrahmung durch eine Big Band und da Mittweida ja einen ordentlichen Medienbereich hat, gibt es auch Fernsehübertragung und allerhand Technik zu bestaunen. Warum betone ich gerade dies mit der Technik, nun ja ich hatte vom Rang aus einen guten Blick auf die Produktion und ich war sehr froh darüber, denn diese hat mir geholfen bei dem ein oder anderen Redner eine Ablenkung zu haben, indem ich geschaut hab was machen die Techniker_innen so, welche Mikros werden genutzt und und und! Einer dieser Redner war Herr Ministerpräsident Tillich und wie auch bei den anderen Redner_innen war dieser, entschuldigt den folgenden Ausdruck, ekelhafte sächsische Freistaat Lobgesang der Grund warum ich weg hören musste oder mich mit dem beobachten der Produktionsabläufe beschäftigte. Warum dies eine Rolle spielt soll später im Text noch heraus kommen. Fakt ist jedoch, in der Heimat von PEGIDA, dem NSU und dem Bundesland wo sich zu vielen Ortsnamen aus der Kriminalstatistik irgendeine Straftat mit rassistischer, nationalsozialistischer oder einfach nur menschenfeindlicher Motivation hinzu basteln lässt, gibt es eine gewisse Barriere dieses Bundesland, in welchem ich auch lebe und es hier auch ganz schön finde, mit Lobgesängen zu überschütten. Den Redner_innen bereitete das irgendwie keine Bauchschmerzen. Nun gut, kennen wir ja bereits!

Ich meine die Aufzählung der Patente und der wichtigen Industriellen sind schon beachtlich gewesen und selbstverständlich ist es absolut verständlich als Hochschule darauf stolz zu sein. Da die Hochschule Mittweida, aber eben nicht nur aus einem technischen und Medien orientiertem Profil besteht finde ich es Schade das in dem 2,5 stündigen Programm der Bereich Soziale Arbeit, der nächstes Jahr im übrigen sein 25 jähriges bestehen in Mittweida feiern darf, nur ganze 4 mal, an Satz bzw Redenenden der Redner_innen und dann immer im Zusammenhang mit den abgehängten der Gesellschaft, erwähnt wurde. Abgehängt meinte hier immer die Menschen die es nicht zu einem tollen Patent und einer erstklassigen Ausbildung geschafft haben. HALLO? Welche Lesart ist dies denn bitteschön? Jugendliche mit denen ich in den letzten Jahren zu tun hatte studieren mittlerweile auch in Mittweida, sind die jetzt glückliche Einzelfälle oder haben sich Menschen die zu einer Geburtstagsparty sprechen nicht mit dem Geburtstagskind und seinen Studiengängen auseinander gesetzt. Sei es drum, es wurde jedoch deutlich das WIR als Sozialarbeiter_innen/pädagog_innen noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns haben um als das wahrgenommen zu werden was wir sind: eine Menschrechtsprofession mit einer viel zu oft unterschätzten Allzuständigkeit!

An den Ministerpräsidenten wurden des öfteren Wünsche kommuniziert und es wurde der Geburtstagswunschzettel Live geschrieben! Wenn ich jetzt hier jedoch mit Wünschen an die sächsische Regierung anfangen würde, würde ich noch eine ganze Weile sitzen und am Ende würde mir bewusst werden das keiner dieser Wünsche, durch die sächsische Landesregierung, je in Erfüllung gehen wird. Sondern das wir selbst an und für diese Wünsche arbeiten müssen.

Jedoch hätte ich einen Wunsch an die Hochschule Mittweida!

Dieser Wunsch betrifft zum einen den Studiengang Soziale Arbeit, aber auch irgendwie die Hochschule in ihrer Gesamtheit. Im Bereich der Sozialen Arbeit sprechen wir häufig über Biografien und in diesem Zusammenhang auch über den Menschen als geschichtliches Wesen. Wir alle Wissen das wir heute nicht wahrnehmen was Morgen vielleicht Geschichte ist. Als August Horch in Mittweida studierte war wahrscheinlich nicht abzusehen das dieser mal die Geschichte der Automobilindustrie prägt oder zur Zeit als Walter Bruch die Straßen in Mittweida unsicher machte rechnete noch niemensch damit das dieser mal das Farbfernsehsystem entwickelt und das sich Fernsehen überhaupt durchsetzt. Ja so ist das mit der Geschichte, sie wird geschrieben ohne das wir es wissen das sie geschrieben wird. Ebenso ist dies aktuell mit der Geschichte in dem Land in welchem wir leben und noch mehr, es ist die Zeit in der wir leben, die gerade geprägt ist von undurchschaubaren Ereignissen, deren Masse, Dimension und Abscheulichkeit erst durch die Geschichtsbücher sichtbar werden wird. Kommen wir aber gar nicht erst zur Weltpolitik sondern bleiben in Mittweida!

Was auf jeden Fall in den Geschichtsbüchern stehen wird ist der Nationalsozialistische Untergrund, kurz NSU und die damit verbundenen Prozesse, die Untersuchungsausschüsse, die ungeklärte Rolle des Verfassungsschutzes und die mangelnde Aufarbeitung des Unterstützer_innennetzwerkes die diese Taten erst möglich gemacht haben. Dieses Unterstützer_innen Netzwerk findet sich auf Grundlage eines gemeinsamen Menschenfeindlichen Weltbildes und dort herrscht ein gewisser Konsens was die Ideologie im Bezug auf Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus, Antiziganismus, Homophobie, Rollenverständnis usw angeht. Um dieses Unterstützer_innennetzwerk sichtbar zu machen ist das Kulturbüro Sachsen e.V. gerade dabei eine Broschüre zu erstellen und damit diese auch finanziert werden kann gibt es eine Crowdfundingkampagne, zu dieser gelangt ihr über diesen Link und sie soll heißen „Unter den Teppich gekehrt“.

Damit in dieser Sache und in den späteren Geschichtsbüchern eben nichts unter den Teppich gekehrt wird kommt nun auch hier mein Wunsch an die Hochschule Mittweida. Wenn die Broschüre erscheint, und das wird sie, wird dort von einer Antje Probst und dem Blood&Honour Netzwerk Sachsen die Rede sein. Nach jetzigem Stand könnte das Kulturbüro Sachsen zu Antje Probst (ehem., heute Antje Böhm) schreiben: studiert Soziale Arbeit an der Hochschule Mittweida und jetzt muss die Frage nach dem Geschichtsbucheintrag bei der 200 Jahrfeier der Hochschule erlaubt sein? Der Fakultätsrat Soziale Arbeit hat am 18.01.2017 ein Positionspapier verabschiedet welches „Für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit“ wirbt. Im letzten Absatz dieses Papieres heißt es: „Die Fakultät kommuniziert ihre Haltung an der Hochschule und in der Öffentlichkeit. Sie ermutigt andere, ebenfalls Position zu beziehen.“

Ich fühle mich hiermit ermutigt und beziehe mit diesem Text Position zu der Tatsache das eine ideologisch gefestigte Unterstützerin des NSU an der Hochschule Mittweida Soziale Arbeit studiert. Wenn Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession verstanden wird dann ist es die Pflicht der Hochschule Konsequenzen zu ziehen. Das hier nicht von einer Mitläuferin die Rede ist belegen die Zeugenaussagen und einen Einblick darüber könnt ihr euch in den unten benannten Links verschaffen.

Deshalb ist es mein Wunsch das die Hochschule Mittweida Student_innen der Sozialen Arbeit verpflichtet sich zukünftig zu den Menschenrechten und der Gleichheit der Menschen in allen Lebenslagen zu bekennen. Das dieses Bekenntnis nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern auch eine Grundlage für eine Exmatrikulation darstellt wenn die Gleichheit der Menschen durch Studierende negiert wird. Dies klingt im ersten Moment vielleicht etwas absurd oder verwirrend, aber mich verwirrt es noch viel mehr das jemand dessen Menschenbild keine Gleichheit kennt einen Studiengang belegt dessen Fundament eben diese Gleichheit der Menschen ist.

Ein Grund mehr einen humanistischen Eid zu fordern für Studierende der Sozialen Arbeit zu fordern.

ANOTHER WORLD IS POSSIBLE…!!!

Süddeutsche Zeitung NSU Prozess Tag 162 verfügbar am 07.05.2017
Süddeutsche Zeitung Artikel : Blut Ehre Krabbelgruppe 2014 verfügbar am 07.05.2017
Antifa Info Blatt 2013 verfügbar am 07.05.2017
Nebenklage NSU Prozess verfügbar am 07.05.2017
Blood & Honour Sachsen Indymedia verfügbar am 07.05.2017
Infos zu „Sonnentanz“ Aue verfügbar am 07.05.2017

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