Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt

Dieser Text bildet den Einstieg in die Texte die evtl. noch folgen werden und sich thematisch auf die von mir erstellte Facebookseite Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt Reunion Grimma beziehen.

Was ich mit dem Titel ausdrücken möchte und welche Interpretationen in dem Titel stecken habe ich in dem folgenden Text darstellen müssen. Dies wurde notwendig da sich auf der Facebookseite sofort Bemerkungen zu der Verwendung und den Wörtern bunt und braun häuften. Dort dachte ich mir ich erläutere es einfach mal.

In den vergangenen Tagen wurde diese und viele andere Seiten häufig mit der angeblichen Sinnlosigkeit ihres Seitennamens und/oder dem Inhalt konfrontiert. Mit diesem Artikel möchte ich nun kurz auf den Seitennamen dieser eingehen. Innerhalb des Textes gehe ich nicht auf den Zusatz „Reunion Grimma“ ein, dies habe ich auf der Facebookseite in der Seiteninfo versucht zu beschreiben. Diese Info ist auch ohne einen Account ersichtlich. Kurz gesagt bezieht sich dies auf ein Bündnis welches in Grimma im Jahr 2001 gegründet wurde. Hier der erste Beitrag zu dem Bündnis auf Indymedia aus dem Jahr 2001.

Hier der Text zum Download als PDF.

…und hier gleich als lesbare Variante:

Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt ist die Zugrundeliegende Aussage! Im Kontext dieses Ausspruches dient das Wörtchen „bunt“ als Antonym zum als Synonym verwandten Wörtchen „braun“, zu welchem wir später noch kommen. Vielfalt bedeutet hier den Gegensatz zur Einfalt darzustellen und jetzt möchte ich kurz abdriften und meine persönliche Interpretation erläutern. Vielfältigkeit entsteht nicht aus Koexistenz, z.B. bezogen auf die Koexistenz verschiedener kultureller und religiöser Gruppen von Menschen in klar abgesteckten Räumen mit klar abgesteckten Grenzen. Hier eignen sich zur Verdeutlichung auch Ländergrenzen als Beispiel anzuführen. Die Welt ist ein biologisches und ökologisches Gesamtkonstrukt, ebenso wie es die Menschheit ist, nennt sich hier: Gesamtgesellschaft. Durch evolutionäre Prozesse hat sich viel verändert und besonders der Mensch hat einschneidend in das Ökosystem der Welt eingegriffen, aber wahrscheinlich gehört auch dies dazu und ich bin der festen Überzeugung das die Natur auch mit diesen Eingriffen klar kommen wird, wie auch immer dies aussehen wird. In Hiroshima und Tschernobyl werden wieder Pflanzen stehen und Tiere diese bewohnen. Womit die Erde allerdings wahrscheinlich nicht klar kommen wird, ist mit dem Mangel an Respekt ihr gegenüber. Dieser Respekt fehlt und dieser Respekt fehlt den Menschen auch untereinander. Die Menschen gehen nicht respektvoll mit sich um und dieser Umgang wiederum hat etwas mit Vielfalt und Einfalt zu tun. Vielfalt drückt in diesem Kontext aus das es viele unterschiedliche Menschen, Geschlechter, Sexualitäten, Glaubensrichtungen, Meinungen, spektrale Entwicklungen der Hautfarben und Kulturen unter den Menschen, auf dieser Welt, gibt. Die Vielfältigkeit besteht jedoch noch nicht darin das mensch sich dessen bewusst ist und dies akzeptiert sondern die Vielfältigkeit besteht in dem Zusammenleben, in dem gemeinsamen erleben und in dem Miteinander. Besteht der einzelne Mensch nun darauf das diese Unterschiede klar getrennt voneinander existieren, getrennt durch Grenzen, Mauern und Zäune und das Miteinander abgelehnt wird können wir von einer Einfalt und der Ablehnung des Miteinanders sprechen. Einfalt hat auch etwas von Naivität und Naivität im Zusammenhang gesellschaftlicher Prozesse etwas von Ignoranz. Einige Menschen in Deutschland stören sich an Migrationsströmen und ignorieren dabei die Gründe dafür. Andere Menschen stören sich an dem Staatskonstrukt der Bundesrepublik Deutschland, ignorieren dabei aber die Geschichte und den Entstehungsprozess, ich persönlich störe mich auch an Deutschland, aber ebenso an jedem anderen Land auf der Grundlage der Grenzen, denn ich bin der festen Überzeugung das Staatsgrenzen und Staaten allgemein keine dauerhaft und nachhaltige Zukunft haben. Nennen wir es überholt! Da brauch ich noch nicht einmal mit der praktischen Ausführung des demokratischen Systems anfangen, denn dies führt einfach zu weit, für diesen Text. Hier kommen wir jedoch super zurück zum Sozialsystem in Deutschland welches aus den harten sozialen Kämpfen des 19. Jahrhunderts, und seinen Ursprung in der Reformation 16. JH und den folgenden europaweiten humanistischen Debatten, hat, welche jedoch wie die Demokratiegeschichte noch viel, viel weiter zurück gehen. Der Mensch ist nun mal ein geschichtliches Wesen und es kommt für mich jedoch darauf an wie er als Mensch mit der Geschichte umgeht. Zur Vielfalt gehört eben auch die Geschichte und deren Akzeptanz und daraus entstehend der Umgang damit. In unserer Welt und in unseren Regierungssystemen läuft einiges schief und grundlegend verkehrt jedoch stellt sich für mich immer und immer wieder die Frage wie gehe ich an den Entwicklungsprozess heran? Will ich selbst Freiheiten haben, muss ich diese auch anderen zugestehen können. Will ich selbst vom Sozialsystem Deutschlands profitieren sollte ich ebenfalls in der Lage sein es anderen zu gönnen. Dass es sich vielleicht nicht mehr rechnet, ist dann jedoch wieder eine ganz andere Aufgabenstellung. Dabei komme ich unwiderruflich auf die Wörter Vielfalt und Einfalt. Einfältigkeit ist in unserer schnelllebigen und unwahrscheinlich komplexen Gesellschaft einfach deplatziert, denn sie kann und wird uns nicht zu einem Entwicklungsprozess und zu einer Lösung führen.

Warum verwende ich nun in dem Seitentitel das Wörtchen „braun“ um dem Wort Einfalt Nachdruck zu verleihen? Ganz einfach, das Wörtchen braun wird in dem auf Deutschland bezogenem geschichtlichen Zusammenhang als Synonym für politische und gesellschaftliche Denkmuster verwandt die sich mit den Denkstrukturen des Nationalsozialismuses überschneiden, bzw. ihnen ähneln. Hiermit also eine gedankliche Nähe zur NSDAP und auf heute bezogen, denen der NPD gleichen. Warum aber braun? Auch dies lässt sich relativ simple erklären, denn die Farbe braun war die Farbe der Hemden der Mitglieder_innen der NSDAP und aller ihrer angegliederten Parteiorganisationen. Daher stammt auch der Begriff „Braunhemden“. Weiterhin trug die Parteizentrale in München sogar den Namen „Braunes Haus“. Mit dem Synonym braun als Vorwort zu dem Wort Einfalt soll ein eindeutiger Bezug zu Nationalen und Rassentheoretischen (dazu zählt auch eine Über-/Untermensch und eine Wir hier drinnen/Ihr da draußen Denkweise) hergestellt werden. Um dann im Gegenzug dem Wort Vielfalt ein ebensolches bestärkendes Adjektiv voran zu stellen wird das Wörtchen „bunt“ benutzt.

Kommen wir aber noch einmal kurz zu der, in diesem Zusammenhang, häufig versuchten Argumentationslinie das Braun eine Mischfarbe ist und somit es gar nicht so schlimm ist als „braun“, im Bezug auf politische Einstellungen, bezeichnet zu werden. Braun ist in erster Linie eine Mischfarbe aus Rot und Grün, interessant oder? Abgedunkelt oder aufgehellt wird sie mit Schwarz, Weiß oder Gelb. Über die Ausführungen zur Farblehre lässt sich jetzt auch wunderschön ein Bezug zu Grimma herstellen. Ich selbst bin in einem Örtchen aufgewachsen, welches heute Ortsteil von Grimma ist. In unmittelbarer Nähe meines Elternhauses hatte auch der Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald seinen Wohnsitz. Er hat sich mit der Ordnung und Nummerierung von Farben beschäftigt und in den Räumen welche mensch dort begehen konnte standen riesige Farbpyramiden und die waren BUNT, auch Braun kam in diesen vor, aber wie bereits gesagt neben 1000en von anderen Mischfarben. So ist es auch mit unserer Gesellschaft und mit der Menschheit. Die braune Einfalt wird wohl zeitlebens unser_e Begleiter_in bleiben, dennoch lohnt es sich an der bunten Vielfalt fest zu halten und für eben diese einzustehen und für sie zu kämpfen.

Ich hätte im Übrigen nicht gedacht das es noch einmal notwendig ist derartige Texte zu schreiben und hatte mich darauf gefreut gesamtgesellschaftlich Problemlagen Lösungsorientiert, bezogen auf den ländlichen Kleinstädtischen Raum, anzugehen. Tja, aber auch ich bin belehrbar und muss erkennen das wir uns, besonders hier in Ostdeutschland, nach wie vor noch in den 1990iger, oder Anfang Nuller Jahren befinden.

KEIN FUSS BREIT DEM FASCHISMUS…!

BUNT STATT BRAUN

ANOTHER WORLD IS POSSIBLE

Song zum Text: Refused – Old Friends/New War (LP: Freedom 2015)

verfasst 21. Juli 2015, von Tobias „Pudding“ Burdukat

Creative Commons Lizenzvertrag
Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt von Tobias Burdukat ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter http://pudding.blogsport.eu erhalten.

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