Wahlk(r)ampf Interview Sachsen Sonntag 11.05.2014

Heute gab es eine Veröffentlichung eines Interviews mit mir im Sachsen Sonntag, eine Zeitung die im Grunde nur auf Werbung spezialisiert ist. Als Werbung ist damit auch das Interview zu verstehen. Es wurde an meinen Aussagen herum geändert mit der Begründung auch „Oma Erna“ solle verstehen was ich gesagt habe. Nun ja ich muss dazu sagen ich sitze nicht im Stadtrat um „Oma Erna“ zu repräsentieren. Meine Entscheidung mich zur Stadtratswahl auf zu stellen ist eine bewusste und zwar eine mit der ich junge Menschen repräsentieren möchte. Wenn „Oma Erna“ das gut findet das junge Menschen in der Kommunalpolitik aggieren dann freue ich mich natürlich dennoch über ihre Stimme. Das Interview welches im Sachsen Sonntag, in abgeänderter Variante, stand findet ihr hier das Bild wurde von mir auch nur unter Protest genehmigt, denn seit wann kommt eine Parkbank aus einer Funbox? Deshalb hier folgend der Originaltext des Interviews! Viel Spasz beim lesen!

Tobias Burdukat, 2. Stellvertreter der Wähler_innenvereinigung „Bürger für Grimma“ im Gespräch mit dem Sachsensonntag.

Frage: Sie sind bereits seit der vergangenen Wahlperiode 2009 – 2014 als Stadtrat (Bürger für Grimma) tätig. Welche Ihrer persönlichen Ziele und Vorstellungen in Ihrer Funktion als Stadtrat konnten Sie Ihrer Ansicht nach in dieser Zeit umsetzen?

Wenn ich jetzt sage, dass ich ohne genaue Vorstellungen von den Inhalten der Arbeit eines Stadtrates im Jahr 2009 zur Wahl angetreten bin, laufe ich zu Beginn des Interviews natürlich Gefahr mich gleich ins Abseits zu stellen. Allerdings wäre es gelogen, wenn ich mir jetzt Ziele und Vorstellungen aus den Fingern saugen würde. Für mich war und ist es wichtig, dass besonders in der ländlichen Region junge Menschen an der Politik teilhaben. Wenn ich dies als persönliches Ziel definiere, kann ich dies als Erfolg verbuchen. Es hat von den fünf Jahren Amtszeit ca. zwei Jahre gedauert bis die anderen Mitglieder des Stadtrates überhaupt zugehört haben wenn ich etwas gesagt hab, mittlerweile habe ich jedoch dieses Gefühl des gehört werdens. Damit konnte jungen Menschen innerhalb eines Kommunalparlamentes eine Plattform geboten werden. Ein mir sehr wichtiger Punkt war das einbringen einer anderen Perspektive in die Entscheidungen, welche im Stadtrat getroffen werden. Auch wenn die Chancen, thematisch gesehen, dazu innerhalb eines Kommunalparlamentes sehr gering sind, konnte mir dies jedoch bei der ein oder anderen Entscheidung gelingen. Auch wenn die Entscheidungen nur selten diesbezüglich beeinflusst wurden, hatte ich die Möglichkeit eine etwas alternativere, weltoffenere und hierarchiefreiere Perspektive anzubringen. Somit habe ich vielleicht den ein oder anderen Menschen vertreten, der sich in den gängigen Argumentationslinien von Politiker_innen nicht wiederfinden kann.

Frage: Die Fraktion Bürger für Grimma stellt zur Wahl am 25.05.2014 im Vergleich zu den übrigen Stadtratskandidat_innen verhältnismäßig viele junge Menschen auf, wie kommt es dazu?

Nun ein Grund und wahrscheinlich auch der entscheidendste ist, dass ich tatsächlich versucht habe nicht noch eine Amtsperiode der alleinige Vertreter meiner Generation und Folgender innerhalb dieses Kommunalparlamentes zu sein. Viele der jungen Menschen auf unserer Liste kommen tatsächlich auch aus meinem privaten Umfeld und sind ebenso wie ich bestrebt, Grimma auch für junge und kulturell interessierte Menschen bewohnbar zu machen. Durch die bereits absolvierte Amtsperiode war ich vielleicht auch gegenüber der jüngeren Menschen eher in der Lage die Arbeit innerhalb eines Kommunalparlamentes transparent darzustellen, denn vielerorts existiert da ja doch eine etwas idealisierte Vorstellung von der Tätigkeit. Je mehr junge Menschen versuchen, die häufig sehr trockene Arbeit mit Leben zu erfüllen, desto greifbarer wird diese auch und desto mehr können auch junge Menschen ihren Alltag in einer Kommune mitgestalten. Was ja gerade auf dieser Ebene Sinn macht, denn schließlich leben die jungen Menschen ja noch ein paar Jahrzehnte länger in der Kommune, also warum nicht auch die kommunalpolitischen Entscheidungen so mitgestalten, dass ich mich in 10-20 Jahren in dieser Kommune noch wohlfühlen kann.

Frage: Welche konkreten Zukunftsideen ergeben sich für Sie daraus – für die Menschen Ihrer Gemeinde, die Wirtschaft und das Gesamtgefüge der Stadt Grimma?

Eine schon etwas philosophisch angehauchte Frage, aber da ich junge Menschen repräsentieren möchte, spielt die Zukunft natürlich eine entscheidende Rolle. Auf meiner individuellen Stadtrats-to-do-Liste steht ganz oben, Grimma für junge Menschen attraktiver zu machen. Um so vielleicht indirekt ihre Lebensraumentscheidung mit beeinflussen zu können. Eine Stadt wie Grimma zählt zum ländlichen Raum und wird nie mit einem Leipzig, Dresden, Hamburg oder einem Berlin mithalten können, aber dies sollte auch nicht der Anspruch sein. Als wichtig empfinde ich es, dass Menschen die in Grimma aufgewachsen sind, dann für Ausbildung, Studium, Reisen, Lebenserfahrung und das Leben als solches weggehen, auch gern wieder nach Grimma kommen und sich vielleicht dann auch dafür entscheiden, in ihrer alten und evtl. neuen Heimat zu wohnen. Ich distanzieren mich seit vielen Jahren deutlich von nationalen, patriotischen und menschenverachtenden Haltungen und eine dieser Zukunftsideen ist somit die Vorstellung von einer Kommune, in der derartige Einstellungen keinen Raum mehr haben. Die Zukunftsidee des Raumes als Gestaltungsort für die Selbstständigkeit junger Menschen spielt dabei ebenfalls eine wesentliche Rolle. Diese Räume können auch wirtschaftlich relevant sein, indem wir es innerhalb der Kommune schaffen, uns von einem bedingungslosen Gewinnstreben zu lösen und unsere Wirtschaft solidarischer gestalten. Eine derartige Herangehensweise wirkt sich dann unterm Strich natürlich auch auf das Gesamtgefüge der Stadt Grimma aus. Wie stark die regionale Wirtschaft einer Kommune ist, entscheiden die Menschen, welche in ihr leben. Die regionale Wirtschaft hat nämlich auch die Möglichkeit, solidarisch mit den Menschen umzugehen und kann somit auch Perspektiven für junge Menschen im ländlichen Raum bieten. Dadurch ist die Wirtschaft und das Gesamtgefüge der Stadt auch in der Lage, über den sogenannten Tellerrand zu schauen. Deshalb träume ich von einem autarken Raum für junge Menschen, der sich in die regionale Wirtschaft integriert und Heute schon das Morgen gestaltet.

Frage: Wie wollen Sie einzelne Gruppen (z.B. Jugendliche) in diese Ideen einbinden?

In erster Linie liegt dies natürlich daran, ob sich die Gruppen überhaupt einbinden lassen wollen. In den Jahren in denen der Förderverein für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit e.V. das Crossover Festival in Grimma organisierte, wurde mir persönlich deutlich dass dieser Wille der Knackpunkt ist. Unsere Welt ist auf Konsum ausgerichtet und vielen jungen Menschen fehlt leider der Bezug zu dem Fakt, dass nichts auf dieser Welt selbstverständlich ist. Wenn es also heißt in Grimma wäre nichts los und es ist langweilig, dann haben die Menschen die dies sagen es in der Hand das zu ändern, denn nur sie wissen ja was es braucht, damit es nicht mehr langweilig ist. Ich bin natürlich nur ein einzelner Mensch, aber genau dort versuche ich junge Menschen abzuholen und einzubinden. Junge Menschen brauchen Raum, brauchen Gestaltungsmöglichkeiten und ja – sie sind überfordert damit dass sie für ihre Eltern die Kohlen aus dem Feuer holen sollen. Möglichst mit einem tollen Schulabschluss und einer ach so tollen Ausbildung oder Studium und dann einem Job mit hohem Einkommen.

Das Einbinden der Jugendlichen beginnt somit beim Gang zur Wahlkabine am 25.05.2014 und auch wenn ihr auf den Wahlzetteln keinen Menschen findet, der euch repräsentieren kann, dann macht euren Wahlzettel ungültig und zeigt somit eure Ablehnung gegenüber dem existierendem System, aber bitte geht. Mein persönliches Interesse liegt darin, jungen Menschen eine Stimme und eine Perspektive in Grimma zu geben. Nach dem Akt des Wählens folgt dann im besten Fall auch ein gewisses Engagement. Im Rahmen eines Projektes, welches durch den Landkreis Leipziger Land (Lokaler Aktionsplan) finanziert wird, möchte ich nach den Wahlen junge Menschen aktiv in die Entscheidungen des Kommunalparlamentes einbinden mit dem Ziel im Jahr 2019 vielleicht einmal auf dem Wahlzettel eine Wähler_innenvereinigung zu finden, welche zu 100% aus Jugendlichen besteht. Ich würde sie wählen! Denn junge zukunftsorientierte Menschen sind der Motor unserer Gesellschaft und maßgeblich für dessen Entwicklung verantwortlich, solange sie sich nicht längst vergangene und meist nur aus Geschichtsbüchern bekannte Gesellschaftsstrukturen zurückwünschen.

Für eine kommende Amtsperiode möchte ich meine Stimme gern Jugendlichen zur Verfügung stellen, die sich nicht nur über Bestehendes aufregen sondern sich auch damit beschäftigen und sich eine sachliche Meinung dazu bilden, welche keinen Menschen diskriminiert.

Frage: Was machen Sie beruflich und woher nehmen Sie die Zeit, diese umfangreichen und komplexen Ideen in die Tat umzusetzen?

An dieser Stelle ist es angebracht, auch einmal all den Menschen zu danken die mich seit vielen Jahren unterstützen und es überhaupt möglich machen, dass ich derartige Ideen entwickeln kann und dann auch noch den Versuch unternehmen darf sie zu realisieren. Danke auch an die Menschen, welche mich im Jahr 2009 gewählt haben und mir somit die Möglichkeit und einen weiteren Grund gegeben haben, noch intensiver und umfassender Zeit in politische Arbeit zu investieren. Dort schließt sich natürlich auch gleich meine berufliche Tätigkeit an, denn soweit auseinander liegen die angesprochenen jugendrelevanten Themen und meine Arbeit nämlich gar nicht. Ich bin Sozialarbeiter bei der Diakonie Leipziger Land und bin innerhalb dieser Tätigkeit für die offene und lebensweltorientierte Jugendarbeit zuständig. Auch diesen Weg hätte ich ohne das entgegengebrachte Vertrauen vieler meiner Freund_innen, meiner Familie und einiger ganz besonderer Menschen niemals gehen können. Durch die Hilfe vieler Menschen und mit ihnen gemeinsam konnte ich meinem, durch den G8-Gipfel im Jahr 2007 geprägten, Lebensmotto „ANOTHER WORLD IS POSSIBLE“ treu bleiben und befinde mich in der glücklichen Lage, den Auftrag meiner Arbeit auch in ein Kommunalparlament zu tragen. Meine Arbeit orientiert sich am § 11 des SGB VIII, in welchem steht, dass Jugendarbeit an den Interessen junger Menschen anknüpfen soll und sie zur Selbstbestimmung befähigen und gesellschaftlicher Mitverantwortung sowie sozialem Engagement hinführen soll. Wo könnte dies denn besser funktionieren als innerhalb eines Stadtrates, der innerhalb seiner Zuständigkeit und Verantwortung Schulen, Kindereinrichtungen, Jugendclubs sowie Jugendhäuser und ca. 6500 junge Menschen unter 27 Jahren repräsentiert.

Fazit: Ich nehme mir die Zeit weil sie Teil meiner Überzeugung und glücklicherweise auch Bestandteil meiner beruflichen Tätigkeit ist. Also auf zur Wahlkabine für eure Zukunft.

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