Humanistische Ethik innerhalb der Sozialen Arbeit

Der folgende Text ergab sich aus entstandenen Fragen und Überlegungen die mich während und nach dem Schreiben meiner Abschlussarbeit beschäftigten. Besonders stark beschäftigte mich der Verfall der Humanistischen Ethik, aber lest selbst:

Einleitung

Dieser Text kann im Rahmen einer Sozialarbeiterischen Humanismusdebatte nur ein kurzer Einblick sein und Ziel sollte es sein eben dieses Thema wieder mehr in den Fokus unserer Arbeit zu rücken. Für mich bildet dieses Thema jedoch eines der zentralsten Themen wenn über Soziale Arbeit und seine Entwicklung, besonders mit dem Blickwinkel auf die Jugendarbeit, gesprochen wird. Eine Betrachtung und somit eine stetige Bewusstseinserweiterung, bezogen auf den Humanismus und die damit verbundene Ethik, ist deshalb unumgänglich. Eine noch höhere Notwendigkeit ergibt sich aus der Tatsache, dass wir in unserer Gesellschaft und somit innerhalb der Sozialen Arbeit einem immer währenden Wandel ausgesetzt sind. Nicht nur die sich veränderlichen Rahmenbedingungen und der gesellschaftliche Wandel, sondern besonders die sich dadurch verändernde „Soziale Frage“ (Anlage 1) sind für eine Ethikdebatte innerhalb der Sozialen Arbeit von großer Wichtigkeit.

Soziale Arbeit

Da das Feld der Sozialen Arbeit und die darin existente humanistische Ethikdebatte betrachtet werden soll, bedarf es einem kurzen Ausflug um den Rahmen abzustecken, in welchem ich mich innerhalb des vorliegenden Textes bewegen möchte.

„Die Profession Soziale Arbeit fördert sozialen Wandel, Problemlösungen in menschlichen Beziehungen und die Stärkung und Befreiung von Menschen, um das Wohlergehen zu stärken. Gestützt auf Theorien über menschliches Verhalten und sozialer Systeme greift Sozialarbeit an den Stellen ein, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Wechselwirkung stehen. Die Grundlagen von Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit sind für die Soziale Arbeit wesentlich.“ (DBSH 2004, S. 2)

Diese Kurzdefinition bezogen auf das Thema des Textes ist natürlich sehr treffend, jedoch möchte ich noch einen Transport auf die Jugendarbeit vagen, um die Soziale Arbeit dort zu definieren.

In der Jugendarbeit gilt eine Verpflichtung gegenüber des SGB VIII und im Besonderen in der offenen Jugendarbeit der §11 SGB VIII. Dieser bringt eine professionelle Verpflichtung mit sich, Jugendliche zur Selbstbestimmung, gesellschaftlichen Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anzuregen und hinzuführen. Damit ist die Humanismusdebatte auch gleich voll im Gange, denn was innerhalb dieser, seit Sokrates, über die Aufklärung und dann innerhalb der Französischen Revolution sowie dann im 19. Jahrhundert alles entstanden ist und sich mit Selbstbestimmung, Mensch-Sein und Menschheit beschäftigt, woraus sich dann Mitverantwortung und Engagement durch Bewusstsein ableiten lassen, ist grandios, vielfältig und gerät leider viel zu oft in Vergessenheit. Besonders natürlich, nach meinem Empfinden, innerhalb der Jugendarbeit und somit auch innerhalb der Sozialen Arbeit. Wie es bei Ärzten einen hippokratischen Eid gibt, wäre es wahrscheinlich mittlerweile auch an der Zeit, innerhalb der Sozialen Arbeit derartiges für die, auf dem Humanismus basierenden, internationalen Menschenrechte einzuführen.
Kompakt zusammengefasst wie in dem oben benanntem Zitat, bedeutet dies: Soziale Arbeit bewegt sich heute in einem zerstückelten Feld und die Rahmenbedingungen werden immer spezialisierter und kleinteiliger. Dies spiegelt im Grunde aber auch nur unsere Gesellschaft wieder und wenn ich hier die Soziale Arbeit als „Kind der Moderne“ und Begleiterscheinung des Kapitalismus bezeichne ist die Spiegelung ja auch nur eine logische Konsequenz (vgl. Seithe 2010, S. 39 ff).

Soziale Arbeit, besonders im Bereich der Jugendarbeit, kämpft um eine kontinuierliche Finanzierung, steht in Konkurrenz mit der Erziehung und derzeitigen Schulbildung und den daran angegliederten Systemen. Defizitorientierte Pädagogik und kommerzielle Kultur- und Freizeitangebote erledigen dann den übrigen Rest. Die Soziale Arbeit verliert dann schnell den Blick auf den Menschen und die Menschheit, denkt im Klientelkontext und verliert am Markt im Wettbewerb. Da sie keine Chance hat, die Angebote unter Berücksichtigung der Ethik umzusetzen damit die Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten gewährleistet wird. Etwas provokativ möchte ich sagen, dass die Soziale Arbeit dadurch, im Bereich der Lebensweltorientierten und mit Empowermentansätzen versehenen selbstständigkeitsfördernden Jugendarbeit, in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Diesen provokativen Gedankengang dürfen wir innerhalb der Sozialen Arbeit nicht übergehen sondern müssen Möglichkeiten finden unsere Ansätze und Ziele gesellschaftsorientiert umzusetzen, denn gerade die Jugend wird immer und immer wieder unsere Gesellschaft formen.

Humanistische Ethik

Der Humanismus hat es, wenn auch über einen langen Zeitraum, geschafft, dass sich unsere Gesellschaft zu einer demokratischen hinentwickelt hat und wenn wir Demokratie auf dem Rücken der Menschheit sowie des einzelnen Menschen denken, entsteht auch ein völlig anderes Demokratiebild. Im Gegensatz zu dem heute weit verbreiteten bedingungslosen akzeptieren und angeblichen tolerieren von jedweder Meinung. Bringe ich nämlich genau hier eine humanistische Ethik als Grundlage mit ein, entsteht plötzlich eine Denkweise, die genau dort aufhört zu tolerieren oder zu akzeptieren wo Menschenrechte, Grundrechte und persönliche individuelle Freiheit in Frage gestellt wird. Auf die Unterteilungen, wo und wann bestimmte Formen der Menschenfeindlichkeit und der Gruppen- bezogenen Menschenfeindlichkeit zu Tage treten brauch ich, denke ich, nicht noch einmal eingehen. Diese zu benennen und zu sagen Rassismus, Faschismus, Sexismus, Homophobie, Lookism, Speziesismus und, und, und …, sollte ebenso beim Vorhandensein einer grundsätzlichen Ethik nicht Notwendigkeit sondern Selbstverständnis bedeuten und damit für diesen Text ausreichend sein.

Damit verstehe ich die humanistische Ethik und deren globales Vorhandensein im Bewusstsein jedes Menschen, als Ziel. Die Freiheit des/der Einzelnen benötigt die Freiheit aller. Wenn die Freiheit des Menschen und eine Existenz außerhalb von Fremdbestimmung angestrebt wird, zum einen durch die Menschenrechte und als individuelles Ziel vieler einzelner Menschen, dann benötigt es Solidarität mit den Menschen, der Menschheit und der Welt. Da Solidarität als ureigenes Ziel der Sozialen Arbeit häufig beschrieben wird und ich es auch als solches empfinde und verstehe, benötigt es die humanistische Ethik, um die Solidarität zu definieren und um zu wissen wie und wann ich sie selbst zu leben habe. Diese Definition beginnt bei jedem Menschen als Individuum und für sich selbst, denn wie bereits in anderer Form gesagt, so wie ich leben möchte, sollte auch jeder andere Mensch leben können und dürfen. Davon sind wir im globalen Kontext betrachtet noch weit entfernt und es gibt unendlich viele „Baustellen“ welche es zu bearbeiten gilt. Darum ist es umso wichtiger, eine einheitliche an den Menschenrechten orientierte Ethik zu haben und diese einzufordern und sie als gesamtgesellschaftliche Evolution zu betrachten – dies sehe ich als Auftrag der Sozialen Arbeit. Ich könnte mich innerhalb des Themenkomplexes noch in unzähligen Beispielen verlieren, jedoch habe ich bereits in einer anderen ausführlicheren Arbeit angemerkt, dass mir die Beschäftigung mit dem Gesamtzusammenhang des Humanismus noch nicht in seiner Allumfänglichkeit möglich war. Die Allumfänglichkeit bringt mich auch wieder zur Allzuständigkeit der Profession der Sozialen Arbeit und diese muss gewährleistet sein. Dass sie es nicht immer ist weil der gesellschaftliche Gesamtzusammenhang ausgeblendet wird, ist bedauerlich. Da der Blick auf die Selbstbestimmung und das Bewusstsein dafür aber vielerorts abhanden gekommen ist, ist auch dies nicht verwunderlich. Auch setzt eine Sozialarbeit im gesellschaftlichen System und gestützt auf die Kenntnis sozialer Systeme Wissen und die benannte Kenntnis voraus. Dies im akzeptierten System Kapitalismus ist nicht mehr so einfach vorauszusetzen, aufgrund seiner Komplexität.

Da sich die Lösung von der Fremdbestimmung hin zur Selbstbestimmung zu einem Großteil in der Pubertät abspielt und dies einen Entwicklungsprozess betrachtet, fällt auch innerhalb einer Humanismusdebatte, der Jugendarbeit eine wesentliche Rolle zu. Wird es also versäumt in dem vorgenannten Entwicklungsprozess ein humanistisches Grundverständnis auszubilden, wird sich dies innerhalb der Gesellschaft auch noch 10 – 20 Jahre später zeigen. Einen Weg über emanzipatorische Bildung nach Heydorn (vgl. Heydorn 1970) hin zur gesellschaftlich verankerten humanistischen Ethik würde zu weit führen, jedoch brauchen wir Bildung, Pädagogik und Soziale Arbeit um diese Wege gehen zu können, soviel steht fest. Wenn ich jedoch für mich selbst, im Zuge einer ansatzweisen Beschäftigung mit dem Humanismus, feststelle, dass im 19. und frühen 20. Jahrhundert das Bewusstsein und das Empfinden für eine humanistische Denkweise ausgeprägter (nicht unbedingt global betrachtet aber beim Blick quer durch die Sozialen Schichten) war als heute, weiß ich gar nicht mehr wo wir mit der Sozialen Arbeit und ich als Mensch überhaupt anfangen sollen. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass es weniger Menschen auf der Erde und vor allem klarere Trennungen gab, dies soll nur als Feststellung und keinesfalls als Wertung betrachtet werden, immerhin befinden wir uns in einem stetigen Entwicklungsprozess. Eine humanistische Ethik und deren Vermittlung durch die Soziale Arbeit muss deshalb auch innerhalb der Sozialen Arbeit vorhanden sein.

Humanistische Ethik in der Sozialen Arbeit heute

Ich sehe für mich dieses Vorhandensein nicht mehr als allgegenwärtige Realität an. Dies wäre für mich der Fall wenn sich Soziale Arbeit aktiv positioniert, dies ist für mich nur der Fall wenn dies auch durch Sozialarbeiter_innen in der täglichen Praxis passiert, wenn Missstände und Menschenrechtsverletzungen ersichtlich werden und Soziale Gerechtigkeit und Gleichheit (kurz: humanistische Ethik) nicht mehr gegeben ist. Dies kann nur passieren, wenn innerhalb der Sozialen Arbeit eine einheitliche Definition dieser ethischen Werte existent ist und vor allem gelebt wird.

Jetzt möchte ich jedoch zu einem konkreten Beispiel übergehen. Nehmen wir die Jugend als Gesamtheit. Wenn ich als in der Jugendarbeit tätiger Sozialarbeiter oder -arbeiterin feststelle das eine Jugendphase, welche ein wichtiger Entwicklungsschritt im Bezug auf die Selbstständigkeit ist, nicht mehr gegeben ist, dann ist dies ein ernstzunehmendes Problem, welchem ich nicht mehr einzig und allein mit einem Volleyballturnier, einem Konzert, einer offenen Tür oder einem Bastelworkshop entgegen treten kann. Auf diese Thematik kann ich jedoch nur stoßen, wenn ich mich selbst als Sozialarbeiter_in dieser Ethik verpflichtet fühle, diese auch lebe und Solidarität als oberstes Ziel angesehen wird. Humanistische Ethik heute, in der Sozialen Arbeit, wirkt auf mich häufig wie Hilfe zur Selbsthilfe, aber leider nicht für das Klientel sondern für „mich“ als Sozialarbeiter_in. Ich bin selbst auch gegen finanzielle Kürzungen im Bereich der Sozialen Arbeit, besonders in der Jugendarbeit, ich bin sogar für eine absolute Anhebung der finanziellen Mittel. Allerdings nicht unter den Umständen und mit dem in der Praxis existenten Leitbild Sozialer Jugendarbeit und auf Grundlage der nur marginal vorhandenen sozialarbeiterischen Ethik basierend auf dem Humanismus. Im vergangenen Jahr ging diese Einstellung sogar soweit, dass ich mich eher auf die Seite des Jugendamtes mit der Forderung nach mehr inhaltlicher Ausrichtung trotz Kürzung als auf die Seite meiner Kolleg_innen mit der Forderung nach mehr Geld für mehr Stellen gestellt habe. Da mehr Stellen leider nicht in jedem Fall mehr Qualität bedeuten.

Aus dieser Feststellung ergeben sich dann wiederum zwei unterschiedliche, sich aber bedingende Ebenen. Zum einen kann innerhalb der Sozialen Arbeit durch die Marktunterwürfigkeit und die ständige Angst vieler Sozialarbeiter_innen ihren Job zu verlieren gar nicht erwartet werden, dass ein Wert auf die Ausbildung und Umsetzung humanistischer Ethik, gerade bei den bereits in der Praxis Aktiven, Realität wird. Zum anderen zieht dies Probleme und Aufgaben mit sich, die uns dann auch noch in 20 Jahren beschäftigen, wofür aber bereits Methoden und Lösungsansätze gesucht und probiert werden müssen. Beschränken wir uns nun auf eines der Handlungsfelder, verlieren wir den Gesellschaftsbezug und die so wichtige Flexibilität, deshalb sollte wahrscheinlich für eine Zeit – bis sich humanistische Grundwerte globaler und allumfassender in der Gesellschaft verankert haben – doch auf eine Art Sozialarbeiter_innen Eid zurück gegriffen werden. Schaue ich um mich, sehe ich heute Sozialarbeiter_innen (ich verallgemeinere hier an dieser Stelle um die Problematik deutlicher werden zu lassen) die aufgrund ihrer Überzeugungen und ihrer persönlichen Verpflichtung gegenüber eben humanistischer Werte im Arbeitskontext, aufgrund der Rahmenbedingungen, das „Handtuch“ werfen und sich damit selbst schützen wollen oder sich in Bereiche der Sozialen Arbeit flüchten, in denen sie ihre Überzeugung und Verpflichtung ausleben können. Dann sehe ich Sozialarbeiter_innen, die aus Angst alles machen was ihnen der Markt, die Gesellschaft oder die Mehrheit vorgibt, ohne dies auf die Ethik und die Solidarität zu prüfen, wenn dies der Fall ist betrachte ich es als eine Unmöglichkeit, Selbstständigkeit und soziales Engagement zu vermitteln. Jugendliche müssen sich, wie Stéphane Hessel (2010) es schön schreibt, empören dürfen und sie müssen es tun damit sie selbst ein Bewusstsein für das Mensch-Sein und die Menschheit entwickeln und dies ist eben nur möglich, wenn sie sich an den Grundsätzen der Menschenrechte orientieren. Deshalb ist die Jugendarbeit innerhalb der Sozialen Arbeit so wichtig und es braucht die Entfaltungsmöglichkeiten, quasi die emanzipatorischen Lernfelder der Ethik. Empörung, Grenzüberschreitung um die Grenzen zu kennen, Freiheit, Gleichheit und dies alles auf der Grundlage der Menschenrechte und nicht innerhalb eines Marktes mit dem bedingungslosen Ziel der/die Beste, Schönste, Schnellste oder Extremste zu sein. Solidarischer Mensch, wäre ein „gutes“ (meine Auffassung) Ziel.

Fazit

Für mich persönlich stellt sich nach all den Punkten damit klar heraus, meine Priorität auf die Entwicklung von Möglichkeiten zur Förderung der gesellschaftlich verankerten humanistischen Ethik zu legen. Diese Prioritätensetzung innerhalb der Jugend gibt mir die Kraft, mich an meine Hoffnung zu klammern, damit es anders wird und wir uns solidarischer begegnen. Jugend besitzt für mich einfach auch das Potential und die Energie dies voran zu treiben, wenn wir in die Jugendkulturen blicken besteht für mich daran kein Zweifel mehr.

Es kann somit als Fazit für die Soziale Arbeit festgehalten werden, dass es eine Definition und Akzeptanz dieser Definition der Ethik braucht. Da es diese gibt, muss sie praktisch und Allgemeingültig werden und die Arbeit muss daran ausgerichtet werden. Den IST Zustand können wir nur überwinden indem wir uns der humanistischen Ethik innerhalb der Sozialen Arbeit verpflichtet fühlen und uns nicht dem Gesellschaftlichen Tenor: „Ist halt so, ich kann eh nichts daran ändern!“ auch noch innerhalb der Sozialen Arbeit hingeben.

Da es immer junge Menschen in einer Pubertät geben wird, gebe auch ich die Hoffnung für Evolution und Entwicklung in der Gesellschaft durch demokratische und humanistische Grundwerte nicht auf.

Wir sind und waren die Gesamtheit der Geschichte!
Wir leben und gestalten die Gegenwart!
Wir werden und beeinflussen die Zukunft um wieder Geschichte zu werden!

ANOTHER WORLD IS POSSIBLE!

Anlage 1

„Der Begriff Soziale Frage bezeichnet die sozialen Missstände, die mit der Industriellen Revolution einhergingen, das heißt die sozialen Begleit- und Folgeprobleme des Übergangs von der Agrar- zur sich urbanisierenden Industriegesellschaft. In England war der Beginn dieses Übergangs etwa ab 1760 zu verzeichnen, in Deutschland ab dem frühen 19. Jahrhundert. Schon geraume Zeit davor kristallisierte sich dramatisches Elend großer Bevölkerungsgruppen heraus. Eine erste Phase umfasste in Deutschland etwa die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie war geprägt von einer wachsenden Bevölkerung, dem Niedergang des alten Gewerbes und einem allmählichen Aufkommen der Fabrikindustrie.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Frage Verfügbar am 22.11.2013)

„Der Begriff Soziale Frage bezeichnete ursprünglich die Auseinandersetzung mit den sozialen Missständen, die mit der Industriellen Revolution einhergingen. Im weiteren geschichtlichen Verlauf des Kapitalismus wurde damit das Anwachsen von Lebensproblemen der Menschen im Kapitalismus bezeichnet. In Deutschland u.a. westlichen Industrienationen führten die drängenden Probleme zu einer vielfältigen gesellschaftlichen Mobilisierung und Politisierung, die je nach sozialer Interessenlage und Sicht in den verschiedenen Epochen des Kapitalismus unterschiedliche Lösungsansätze hervorbrachten. Mit dem Sozialstaat, der seinerseits eine Antwort auf die Soziale Frage seiner Zeit war, hat sich diese Frage nicht erledigt, vielmehr ist festzuhalten, dass sich auch hier neue Formen der strukturellen Armut und Ausgrenzung ergeben haben. Und heute, unter den in der Zweiten Moderne eingetretenen Bedingungen von Massenarbeitslosigkeit, Armut und Verslumung auch unter Erwerbstätigen (Working Poor) und angesichts einer Wirtschaftskrise, die auf die Bevölkerung eine Schuldenlast in vielfacher Milliardenhöhe abwälzt, hat die Soziale Frage eine neue Aktualität erreicht.“ (Seithe 2010, S. 39 f)

Diese beiden Zitate geben mir eine ziemlich treffende Definition zur Sozialen Frage. Das erste Zitat stellt noch einmal den allgemeinen Prozess der Sozialen Frage heraus und das zweite Zitat erinnert uns an die andauernde Aktualität. Diese Aktualität hat meine vollste Aufmerksamkeit, da ich mir schon seit vielen Jahren Gedanken mache wie wir innerhalb unseres Systems existieren können und vor allem wie eine Möglichkeit entsteht eine Entwicklung voran zu treiben. Die angesprochenen Problemlagen und die im SGB VIII angesprochene Benachteiligung (§1 Abs. 3 Nr. 1 / 2.HS SGB VIII) kann der durch die Soziale Frage, als Antwort, entstandene Sozialstaat auch heute noch gut bearbeiten. Der Sozialstaat ist nach wie vor eine angemessene Antwort auf Benachteiligungs- und Problemlagen welche der Kapitalismus mit sich bringt. Der Kapitalismus unterliegt jedoch einem ständigen Wandel, dieser Wandel bringt Veränderungen mit sich und deshalb bedarf es einer ständigen Anpassung der Beantwortung der Sozialen Frage anhand der aktuellen Rahmenbedingungen. Verstehen wir Soziale Arbeit nun als Begleiterscheinung des Kapitalismus ist Soziale Arbeit gezwungen sich dem Kapitalismus anzupassen und die Soziale Frage immer wieder neu zu stellen.

Literaturverzeichnis

DBSH (2004): IFSW / IASSW, Generalversammlung, Adelaide, Australien. Ethik in der Sozialen Arbeit Erklärung der Prinzipien. Übersetzung: Molderings, Barbara
Hessel, Stéphane (2010): Empört euch!. deutschsprachige Auflage 2011. Berlin: Ullstein
Heydorn, Heinz-Joachim (1970): Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft. In: I. Heydorn, H. Kappner, G. Koneffke, E. Weick (Hg). Werke, Band 3, Studienausgabe (2004). Wetzlar: Büchse der Pandora
Seithe, Mechthild (2010): Schwarzbuch Soziale Arbeit. 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Creative Commons Lizenzvertrag
Humanistische Ethik innerhalb der Sozialen Arbeit von Tobias Burdukat ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

4 Gedanken zu „Humanistische Ethik innerhalb der Sozialen Arbeit“

  1. Hey Pudding,

    klasse Text, meinen Respekt. Hätte da mal eine Frage! Das Zitat unter deinem Text (Wir sind und waren die Gesamtheit der Geschichte! Wir leben und gestalten die Gegenwart! Wir werden und beeinflussen die Zukunft um wieder Geschichte zu werden!) ist das von Dir oder hat das bereits jemand anderes geäußert!? Schreib da gerade eine Hausarbeit und würde wie A**** auf Eimer passen ;).

    Lieben Gruß

    1. Hallo Gustav:-),

      vielen Dank für die Blumen bezüglich des Textes. Das Zitat ist tatsächlich so in dieser Form von mir persönlich, allerdings ist es mehr oder weniger eine Erkenntnis aus mehreren Büchern die ich damit versucht hab zusammen zu fassen. Besonders hervor zu heben ist dabei wahrscheinlich Heydorn mit seinem Buch: „Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft“, aber auch sämtlich Abhandlungen über die Subjekt, Objekt Theorien und den Individualismus von anderen Menschen.

      Wenn du dieses Zitat verwendest würde ich mich über die Zusendung der Hausarbeit sehr freuen:-)

      Solidarische Grüße
      der Pudding

  2. Hey Pudding,

    habe dein Zitat leider nicht verwendet. Die Hausarbeit ist trotzdem fertiggestellt und hat die Note 1,0 erhalten. Falls du den Text trotzdem haben möchtest, bräuchte ich eine E-Mail-Adresse von dir.

    Lieben Gruß

    Gustav

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