CO X und die Dekonstruktion

Der folgende Artikel soll um Empathie für bestimmt Vorgehensweisen innerhalb des Crossover Festivals und bezüglich der organisatorischen Abläufe werben. Ich finde es mittlerweile notwendig, dies noch einmal kompakt zu formulieren und vor allem damit eine diverse Transparenz zu schaffen. Es hat sehr viel mit eigenen persönlichen Anteilen zu tun und mir fällt es tatsächlich schwer, dies zu formulieren, aber ich möchte es versuchen und hoffe so auf eine bessere und idee- bzw. sachorientiertere Organisation und Durchführung des Festivals.

Das Festival findet im Jahr 2013 zum 10. mal statt und hat bisher einiges an Höhen und Tiefen durchlaufen, was sehr gut, nach meinem Empfinden, für die Entwicklung des Festivals war. Nach meiner Auffassung gibt es ein paar Punkte innerhalb des Festivals, die mit Respekt verbunden nicht der Diskussion auszusetzen sind. Im Grunde sind dies dann aber doch wieder nur ein wesentlicher Punkt und ein Punkt, der mal da und mal nicht da ist, dazu aber gleich mehr. Der unveränderliche Punkt im Zusammenhang mit dem Wort und der Bezeichnung Crossover Festival ist der nicht vorhandene Eintrittspreis. Dies hat den Hintergrund, dass ein Festival stattfinden soll, welches jedem Menschen unabhängig seiner individuellen sozialen, durch den Kapitalismus konstruierten und durch Machtgeilheit einzelner, meist männlicher Personen, vorangetrieben, Herkunft der Zugang zum Festival ermöglicht wird. Das es dann aber Hinderungsgründe gibt, liegt an der Einstellung, das, das Mensch sein im Vordergrund steht und dass in unserer Gesellschaft und in unserer Welt einige genau dort Abstufungen treffen und nicht alles Leben auf unserer Welt als Einheit verstehen. In erster Linie geht es darum, dass Unterschiede gemacht werden wo Menschen geboren wurden, an diesem Punkt wird der Mensch kategorisiert und dies widerspricht der Grundhaltung des Festivals. Dies könnte auch noch weiter auf die Spitze getrieben werden indem der Kontext mit einbezogen wird über welches Leben wir entscheiden dürfen und über welches nicht. Dort wären wir aber bei einer Ernährungsdebatte und dazu soll dieser Artikel nicht werden, denn dies sollten wir an anderer Stelle besprechen.
Ein zweiter Punkt ist die indiskutable Teilhabe von DJ Äxelentz und seiner Cru auf dem Festival. Viel zu selten werden Axel Thomas und Robert Seidel im Zusammenhang des Festivals erwähnt, unterm Strich betrachtet würde es aber all das, über was wir jetzt reden ohne diese beiden und ihre Idee zum Helsinki Festival nicht geben. Deshalb gehören sie zum Crossover Festival wie der nicht vorhandene Eintritt und eine gemeinschaftliche Organisation des Festivals ohne dabei einzelne in den Vordergrund zu rücken. In Kooperation hat dann später die Diakonie Muldental, die AWO und die Volkssolidarität das Festival fortgeführt und ihm seinen heutigen Namen gegeben. Nun kann mensch dies noch mit genauen Namen unterlegen diese sind Elke Sauer, Anja Wojtyschak und Tobias Jahn, später Torsten Wanke, Uwe Killisch und die Stadtverwaltung Grimma unter Matthias Berger. Diese Menschen haben es geschafft, dass völlig unterschiedliche Menschen irgendwie innerhalb eines Projektes zusammen gewachsen sind. Es wurde das Jugendparlament Grimma integriert und ganz viele Einzelakteur_innen. Aus persönlichen Gründen mussten Viele dann über die Jahre Abstand nehmen.

So kam es dazu, dass im Jahr 2006 der Förderverein für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit e.V. gegründet wurde, für den von Anfang an klar war, dass es hier um die Sache, die Veranstaltungen an sich und die Ziele geht, die damit verfolgt werden. Nach Absprachen intern und mit den bisherigen Trägern übernahm der Verein (FJZ e.V.) dann die Hauptorganisation des Festivals. Seit 2007 wird nun versucht den Spirit des Festivals, die Idee die dahinter steckte (alles..genau, Sport, Musik, Kunst, Politik miteinander zu verbinden und Jungen Menschen eine Plattform zu geben sich auszuprobieren) am Leben zu erhalten und das Festival fortzuführen. Alles was in diesem Verein passierte, passierte ehrenamtlich und weil die Sache voran gebracht werden sollte. Durch persönliche Lebenssituationen und durch ständiges wachsen des Festivals – und der Ehrlichkeit halber: auch Größenwahnsinnigkeit meiner Person – wuchs das Festival und kam besonders durch den von mir produzierten Größenwahn zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten und im letzten Jahr wurde die Erkenntnis gezogen das sich dringend etwas ändern muss damit dieses Festival weiterhin existieren kann.

Auf der Seite der Finanzen führte dies zu der Entscheidung einen Teil des Festivals in ein größeres Projekt, „Jugend wird aktiv“ mit einer Förderung durch die Aktion Mensch zu pressen. Auf der anderen Seite der Durchführung musste ebenso dringend eine Änderung und Optimierung her. „Jugend wird aktiv“ beinhaltet ein Schüler_innenprojekt namens „Open your mind“, damit soll die gewünschte Beteiligung, auf die ich später noch eingehen werde, erreicht werden. In erster Linie wurde das Festivalrisiko bisher getragen von Sebastian K., Matthias P. und dem vormaligen Schatzmeister des FJZ e.V.. In Orgatreffen waren wir manchmal zu viert und bei den letzten drei Festivals passierte der Aufbau, Abbau und die Durchführung durch knapp 10 Menschen plus, MINUS fünf. Diesen gebührt ein unendlicher Dank und vor allem der allergrößte Respekt für das Geleistete. Teilweise wurden Jahresurlaube für dieses Festival geopfert, Rechnungen aus privaten Taschen bezahlt und und und…! Ein DANKE hat dafür nie jemand erhalten, sondern meist nur Vorwürfe, Mahnungen an den Verein wegen unbezahlter Rechnungen, Diskussionen die geführt wurden ob das Festival so bleiben soll wie es war und ist, was geändert werden sollte und und und…!

Ich spreche jetzt aber mal ein DANKE aus an ALLE, die das Festival seit Jahren unterstützen und dafür sorgen, dass wir alle Spass haben, Spass verbunden mit Partizipation. Wenn ich jetzt beginne einzelne Menschen zu erwähnen vergesse ich die Hälfte, deshalb lasse ich es lieber, denn die Menschen welche an dem Festival mitgewirkt haben, haben es gemacht weil sie es wollten und weil sie wollten das es das Festival gibt und nicht weil sie eine Erwähnung irgendwo oder gar Geld dafür haben wollten. Wenn ich dies falsch sehe korrigiert mich, so habe ich es zumindest über die Jahre empfunden und verstanden und es als meinen eigenen persönlichen Antrieb gesehen. Nun fand das Festival 2010 und dieses Jahr 2012 nicht statt. Die Gründe waren dafür 2012, der Beginn des Projektes „Jugend wird aktiv“ und in 2010 eine Aussage meinerseits, das ich mich nicht an den Vorbereitungen beteiligen kann und es evtl. passieren kann dass ich zum Festivalzeitpunkt nicht da bin weil der Geburtstermin meiner Tochter sich mit dem Festivaltermin überschnitt. Dass sich dann im Plenum des Vereins gegen das Festival entschieden wurde, habe ich nie wirklich überwunden und auch bis zur Festivalsitzung am 10.10.2012 nicht verstanden. Ich wollte nie, dass etwas von meiner Person so abhängig ist und möchte hier auch noch einmal deutlich sagen, dass ich dies nicht bewusst gemacht habe und es mir mittlerweile sehr leid tut. Ich wollte einfach immer nur, dass es das Festival gibt und habe somit Lücken, die aus persönlichen und nachvollziehbaren Gründen anderer entstanden sind geschlossen. Damit hatte ich unbewusst eine immense Verantwortung innerhalb des Festivals und – ja ich gebe zu – es hat mir auch Spass gemacht diese zu haben. Am 10.10.2012 habe ich verstanden dass dies für ein Fortbestehen des Festivals absolut tödlich war.
Für außenstehende möchte ich kurz erklären was zu dieser Sitzung passiert ist. Wir wollten das Festival besprechen und der Einzigste der zu allen Punkten etwas sagen konnte war ich, so habe ich einen 3 Stündigen Monolog mit kurzen Unterbrechungen durch Teilnehmer_innen und ihren Fragen geführt die in 80% der Fälle auch nur ich und in 20% Sonne, Kalmi, Pochi, Martin oder Ulli beantworten konnten. An diesem Tag ist klar geworden, dass eine Veränderung dringend notwendig war und ist. Denn der eigentliche Ansatz des Festivals ist Partizipation und die Zusammenarbeit aller der Menschen und Vereine, Träger und der Kommune, die Bock haben dass es dieses Festival gibt. Dass sich dies dann jedoch auf ein paar Einzelne reduzierte, war so nie gewollt und damit ist jetzt auch Schluss. Allerdings muss allen Menschen klar sein um was es geht!

Die Menschen die für das Festival alles gegeben haben, hatten eine Idee und sind 2007 nicht ohne Grund unter dem Banner „Another world is possible“ zum G8 Gipfel gefahren und ich kann jetzt aktiv nur für mich sprechen, ich glaube daran und bin davon überzeugt. In dieser anderen Welt hat Egoismus, Machtbesessenheit, Geldgier, Ansehensstreben und vor allem Hierarchisierung keinen Platz und wer dies anders sieht, ist innerhalb des Crossover Festivals, dessen Sitzungen und auf dem Gelände nach meiner Auffassung fehl am Platz.

Der ursprüngliche Kick Off für diesen Text war aber noch ein ganz anderer. Ich wurde darauf hingewiesen, dass mein Handeln im Bezug auf das musikalische Rahmenprogramm des Festivals den Ansätzen des Festivals entgegensteht (danke übrigens für diesen Hinweis, denn sonst würde ich ja nicht drüber nachdenken und ich möchte als Musiker und als Mensch gern Resonanzfähig bleiben, das geht aber nur wenn ich mich ständig hinterfrage und vor allem mich ständig dekonstruiere). Hier gebe ich ein klares JA, denn ich habe mich nur über die Vorgehensweise rückversichert und das nicht mal wirklich intensiv und JA es ist genau an diesem Punkt mein Ego was zugeschlagen hat, das gleiche Ego was ich ablehne, es aber, wie wir sehen, nicht immer klappt. So kommt es, dass ich einen Anspruch auf die Buchung von 10 Bands und 2 DJ´s für das Festival erhoben habe. Unter diesen 10 Bands war eine – was ich einfach nicht kommunizieren wollte, um mich nicht lächerlich zu machen (Ego) wenn es nicht klappt und – wo ich in dem Moment, in dem es klappte, einfach binnen 10 Sekunden eine Entscheidung treffen musste. Nun hat mich dies in eine verzwickte Situation gebracht, denn ich habe damit mal wieder das Festival finanziell belastet ohne das alle die Chance hatten, ihre Meinung dazu zu äußern. Also musste eine Alternative – eine Lösung der Aufgabe her. Ich entschied mich also noch andere Bands anzufragen die in etwa ein ähnliches Zielgruppen Publikum ansprechen. Dies machte es nun noch verzwickter, da auch dort Bands dabei waren wo einfach entschieden werden musste. Da mir nun aber selbst klar war dass dies nicht mehr so weiter gehen kann und es dem Festival Schaden zufügt wenn ich genau wieder die gleichen Muster wie in den vergangenen Jahren aufziehe, suchte ich nach einer Lösung. Unsere Gesellschafft definiert sich über Besitz und Geld und genau das waren die Punkte, die dem Festival immer Schaden zugefügt haben. Da das Crossover Festival nun nicht im luftleeren Raum existiert und genau so Teil dieser Gesellschaft ist wie wir alle, konnte diese Lösung nur irgendwo in diesem Besitz, Geld und Machtding zu einer Lösung gebracht werden. Also entschied ich mich, dem Festival einen vertretbaren Preis für all diese Bands und DJ´s zu machen, dies ist nur in der Summe möglich und nur weil ich gleichzeitig dann wieder mal einen anderen Auftritt irgendwo für eine der Bands mache bzw. ich jemensch kannte der jemensch kannte oder was weiss ich. Wenn es einen Menschen gibt, der mir eine Möglichkeit offenbart, wie ich dies anders lösen kann oder wie ich es anders transparent machen kann bin ich sehr dankbar. Eins ist allerdings Fakt: die Besucher_innen und Konsument_innen sollen sich an das Festival erinnern und in musikalischer Hinsicht haben wir nicht einmal das Geld für auch nur einen Headliner im klassischen Sinn. Bisher ist Martin P. der Einzige, der ebenso denkt und der mittlerweile genügend Musiker_innen kennt, damit dies irgendwie funktioniert und damit wir in Zukunft ein Festival gestalten können auf welchem nicht mehr ein paar Akteur_innen eine Horde Konsument_innen bedienen sondern bei dem eine Horde Akteur_innen Spass haben und Konsument_innen dazu bewegen Akteur_innen zu werden. Gerade in dem Bereich der musikalischen Rahmengestaltung ist dies am schwersten, da dir einfach natürliche Grenzen gesetzt sind wenn du nicht selbst Musiker_in, Konzertveranstalter_in, Tourmanager_in, Roadi, Hand, Booker_in, Label-, Distro- bzw. Locationbetreiber_in bist. Du hast nur die Möglichkeit diese Lücke über Geld zu füllen (da haben wir wieder das Gesellschaftsthema) und genau dann kann ein Festival wie das Crossover nicht mehr funktionieren. Deshalb muss eins, für alle Menschen, die in dem Festival mit wirken, klar sein, bringt euch dort ein wo ihr Akteur_in sein wollt und sein könnt, nur dann wird es auch 2013 wieder ein unendlich geniales Festival und wir werden alle daran Spass haben (einige vielleicht zum 1. mal weil sie 9 mal den Arsch voller Arbeit hatten). Wenn ihr auf Fame steht dann geht bitte in eine Disco, auf ein Konzert oder irgendwo anders hin wo ihr Fame bekommt für Style, besondere Leistung oder Mitwirkung. Beim Crossover gibt’s nur das Crossover!

Wenn es im Übrigen eine Firma toll findet, dass es das Festival gibt und nicht weiss wohin mit ihrem Überschuss und diesen nicht dem Finanzamt in die Kasse blasen will, wir sind für Spenden der Sache und des Festival´s wegen offen!

ANOTHER WORLD IS POSSIBLE

DIE FREIHEIT DER FREIEN, ERFORDERT DIE FREIHEIT ALLER!
(Baumann, 1999)

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