Strassenumbenennung vs. Anarchie (Sachlage)

Strassenumbenennung Grimma vs. Anarchie

Stand 24.03.2011

Ich möchte euch im folgenden den Prozess der aktuellen Diskussion in der Stadt Grimma und vor allem dessen Entstehungsgeschichte sowie gewisse Ansätze von mir erläutern. Bringt bitte etwas Zeit mit, denn um alles zu lesen ist doch etwas Zeit erforderlich! ich will aber nicht schon wieder eine Verkürzung erzeugen. Da könnte ich auch auf die LVZ verweisen, das machen die schon recht gut. Interessant ist das Thema auf jeden Fall, obwohl es eigentlich als völlig uninteressant erscheint und daher kommt. Es sorgt jedenfalls schon eine ganze Weile für furore.

Zu Beginn gleich der Hinweis das der folgende Text natürlich meine eigene Wahrnehmung und auch persönlich Betroffenheit wiederspiegelt und nicht in voller Gänze Neutral, vollständig und Objektiv ist. Auch spielen meine persönlichen Empfindungen bezüglich der Sachlage eine Rolle und sind selbstverständlich vom Tag an dem sie verfasst wurden und wie dort der derzeitige Stand war. In dem Bericht werde ich versuchen mich auf die Fakten zu beschränken, alles andere sowie eigene Denkansätze findet Ihr dann immer als Verweise und unter der Kategorie Text.

Alles begann mit den Eingemeindungen welche die Stadt Grimma zum 01.01.2011 vollzogen hat. In Folge dieser mussten in allen Ortsteilen, sowie der Kernstadt Strassen umbenannt werden. Die StadträtInnen und GemeinderätInnen der „Alten“ und „Neuen“ Stadt Grimma einigten sich auf ein Verfahren welches besagte, dass die Strasse umbenannt wird wo die im direkten Verhältnis wenigsten Menschen lebten. Bis hier her war alles klar. Die Stadtverwaltung Grimma brachte eine Vorschlagsliste für neue Namen in die Beratung ein, über diese wurde diskutiert und sich schlussendlich geeinigt. Diese Liste wurde dann im Stadtrat beschlossen.

Nun kamen speziell aus der Bergstrasse in Grimma öffentliche Proteste hoch, welche sich Anfangs nur gegen die Umbennenung im Allgemeinen richteten. Verwaltung und Stadtrat versuchten es so gut wie möglich zu erklären und blieben bei Ihrem Standpunkt. Mich hat dies eigentlich nicht weiter tangiert da ich das Problem nicht erkannte und die Diskussion von Beginn an ziemlich absurd empfand.

Dann wurde weiter nach Gründen gesucht die Strasse nicht umzubennen, Schlussendlich kam man dahin das man gefunden hatte das der Namensgeber in der NSDAP war. Anlass für die Benennung nach Ihm waren die sozialen Sachen welche er für seine 1000 Beschäftigten gemacht hat. Dies wurde mir auch so erklärt. Dachte also auch nicht weiter darüber nach. Ende Februar hat in der LVZ ein Artikel gestanden wo es um dieses Thema NSDAP Mitgliedschaft ging, ich habe diesen nicht gelesen, lese allgemein keine LVZ, zumindest täglich. Die Stadt Grimma machte eine Bürgerversammlung und eine Umfrage bezüglich des Namens (die Umbennung an sich war nicht mehr fraglich, was ja der eigentliche Anlass war). Diese Umfrage ergab kein eindeutiges Ergebnis, einige waren für den bereits vergebenen Namen, einige für den Alten und andere für einen Neuen (hier gab es aber auch keine Einigkeit). Hielt sich jedenfalls alles relativ die Waage.

Am 03.03.2011 kam in der Stadtratssitzung dieses Thema wieder hoch und mich hat es echt genervt das man Monatelang über eine Strasse debattiert, in der Sitzung hat es mich noch mehr genervt das die Diskussion so lang dauerte, da ich sie für beendet und überflüssig empfand. Ich konnte mich also nicht mehr auf meinem Stuhl halten und sagte etwas dazu. Unter anderem kreidete ich die Überflüssigkeit der Diskussion an und sagte Schlussendlich: „Wem es nicht passt, solle eben weg ziehen!“ (alles unter dem Hintergrund das ich über die NSDAP Mitgliedschaft nicht wirklich bescheid wusste, da mich das Thema der Strassenumbenennung einfach in den letzten Wochen nicht mehr bewegt hat, wollte das einfach alles zuende bringen). Erntete für diesen Kommentar, im richtigen Kontext, von denen die dabei waren, sogar Beifall. Der Stadtrat stimmte dann ab, das nicht noch einmal über den Namen entschieden wird. Ok hier habe ich einen Fehler gemacht, denn mit meiner Aussage und der Reaktion habe ich den Stadtrat indirekt Beeinflusst. Im Nachgang bekam die Frau welche sich vor den Karren der „Proteste“ gespannt hat noch einmal das Wort. Sie sagte das es nicht tragbar ist eine Strasse nach einem aktiven Nazi zu benennen, wenn man mit Gezer/Israel eine Partnerschaft eingehen möchte. (wahrscheinlich sonst aber schon) Hätten bislang Beweise auf dem Tisch gelegen das er ein aktiver Nazi gewesen wäre, dann wäre es unter keinen Umständen tragbar.

Am 05.03.2011 stand nun im Regionalteil der LVZ ein Artikel (zum nachlesen) dazu. Meine Aussage stand völlig aus dem Kontext, wie ich es gesagt habe, gerissen in der LVZ passend aber auch der Kommentar mit Isreal, im Kontext allerdings.

Ich versuchte nun bereits am 06.03.2011, nachdem dies an mich heran getragen wurde, Kontakt zum Autor aufzunehmen. Am Montag den 07.03.2011 standen dann bereits LeserInnenbriefe diesbezüglich in der LVZ, welche sich zum einen auf das Thema NSDAP bezogen und zum anderen mich persönlich attackierten. Des weiteren erhielt ich Anrufe noch und nöcher. Ich setzte mich daraufhin mit dem Fraktionschef der LINKEN in Verbindung und besuchte das Stadtarchiv, er das Museum, ging zum Bürgermeister, in die Stadtverwaltung und versuchte so schnell wie möglich Informationen bezüglich des Herrn Walther aufzutreiben. Dies war wirklich nicht einfach. Dies teilte ich am 07.03.2011, Abends, wiederum dem Autor des Artikels mit. (habe hier bis heute, 13.03.2011, keine Rückmeldung). Am 08.03.2011 erschienen munter weiter LeserInnenbriefe bezüglich dieses Artikels, mittlerweile ging es aber im Großen und Ganzen nur noch um meine Aussage des „weg ziehens“! Am Abend des 08.03.2011 reichten mir die Beweise bereits aus um die Strasse nicht Ferdinand-Walther-Strasse zu nennen, denn bisher gab es auch für die NSDAP Mitgliedschaft keinen Beweis. am 09. und 10.03.2011 ging es munter weiter mit LeserInnen Briefen die meine Aussage angriffen. Mittlerweile tagte der Ältestenrat und einigte sich auf die Umbennung. Am Nachmittag des 10.03.2011 verteilte ich an alle Haushalte in der ehem. Bergstrasse eine Stellungnahme. Die Stellungnahme an die Einwohner könnt ihr hier nachlesen. Gleichzeitig schickte ich eine ausführlichere Stellungnahme, die gibts hier, an den Oberbürgermeister, den Fraktionsvorsitzenden der Bürger für Grimma und die ganzen Stellungnahmen auch noch einmal an den Autor des Artikels. Am 11. und 12.03.2011 ging die Veröffentlichung von LeserInnenbriefen weiter und die Aggression gegenüber meiner Aussage und meiner Person wurde voran getrieben. Möchte hier noch einmal anmerken alles unter dem falschen Kontext des Zeitungsartikels, denn der Autor hat sich immer noch nicht gemeldet. Am 12.03. schrieb ich Ihn dann erneut an, Cc auch den Bürgermeister denn es geht mittlerweile doch recht unter die Gürtellinie. Ich warte nach wie vor auf eine Antwort von Ihm. Gestern Nacht überkam es mich allerdings diesen Sachverhalt mal politisch unter die Lupe zu nehmen. Ich hatte große Freude daran und möchte euch diesen Text selbstverständlich nicht vor enthalten. Ihr findet Ihn unter Veröffentlichungen/Text oder über diesen Link. freue mich über Antworten!

Setze die Geschehnisse hier noch fort!

Solidarische Grüße
der Pudding

Heute am 15.03.2011 ist die Debatte weiterhin in vollem Gange und vor allem finde ich es mittlerweile hoch interessant über dieses Thema zu sprechen und besonders den Theoretischen Ansatz (Link) weiter auszubauen und zu erläutern. Hatte gestern zwei absolut geniale Gespräche in dessen Genuss ich sonst wahrscheinlich niemals gekommen wäre. Genau deshalb hat die Diskussion schon einmal etwas gebracht. Danke schon mal dafür. Im übrigen hat sich die LVZ immer noch nicht gemeldet. Schade, sie können wahrscheinlich sehr gut damit leben!

Ich habe es mittlerweile nicht mehr für möglich gehalten, aber ich habe tatsächlich heute, am 17.03.2011, mit dem Redakteur und Autor des Artikels gesprochen. In den kommenden Tagen wird ein Artikel mit ein paar Kommentaren aus meiner Stellungnahme erscheinen. Ich hoffe sehr das die Debatte danach beendet ist. Wenn der Artikel veröffentlicht wurde werde ich Ihn euch selbstverständlich präsentieren. In den letzten Tagen müssen im übrigen schon wieder LeserInnenbriefe in der LVZ gestanden haben. Kann euch aber noch keine Informationen bezüglich des Inhaltes geben. Sobald sich daran etwas ändert lasse ich es euch wissen. Mit dem Autor hatte ich im übrigen doch ein sehr recht angenehmes Gespräch und wir haben die Missverständnisse aus der Welt geräumt!

Mittlerweile habe ich es geschafft mir den Artikel zu besorgen welcher am 19.03.2011 in der LVZ erschienen ist. Das er erscheint habe ich euch ja bereits mitgeteilt und auch noch am 17.03.2011 hatte ich Kenntnis über den Inhalt. Ich möchte ihn euch nun zur Verfügung stellen und ihr findet ihn hier als PDF zum rein lesen falls ihr keine Zeitung habt. Ich werde auch noch versuchen die Leserbriefe zu bekommen um sie euch über die Internetseite zur Verfügung zu stellen. Damit das hier alles nachvollziehbar bleibt. Zur zeit ist es auch ruhig und mal schauen ob es so bleibt? Nächste Woche ist wieder Stadtrat und ich bin gespannt ob da noch einmal was dazu kommt, denn die Umbennung steht noch einmal auf der Tagesordnung. Die Odysee von Bergstrasse zu Ferdinand Walther Strasse wird enden in der Alten Bergstrasse und ich sag mir nach wie vor, „hauptsache vor der eigenen Tür wurde gekehrt“! Arme Welt!

… in Arbeit

3 Gedanken zu „Strassenumbenennung vs. Anarchie (Sachlage)“

  1. Super Artikel. Würde gern mehr Posts zu der Thematik lesen. Ich freue mich schon auf die naechsten Posts.

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  2. Ich verstehe nicht ganz weswegen die Straßen überhaupt umbenannt werden müssen. Irgendwie klingt das wieder nach sinnloser Bürokratie, Betroffene müssen sich ummelden etc. und die Stadt muss sinnlos Geld ausgeben für neue Straßenschilder. Und ganz ehrlich jeder Cent der in neue Straßenschilder fließt wäre anderswo besser investiert.

    1. heho mein guter,

      danke erst einmal für deinen kommentar. naja das problem war das unsere Deutsche Bürokratie selbst diese Sache vorschreibt. Des Weiteren müssen nach Post/Brief Gesetz oder so die Postleitzahlen angeglichen werden und darin ist das Problem hauptsächlich begründet. Grundsätzlich wäre es wirklich kein Problem, aber auch für Rettungsdienste usw. ist dies sehr hilfreich grade in so einem großen Gebiet wie dem neuen Grimmaer Areal. Die Strassenumbenennung an sich macht also schon Sinn, die ganze Debatte drum herum und vor allem der Weg der Strassennamensfindung stehen auf einem ganz anderen Blatt. Das war wirklich alles etwas unglücklich und es sind Fehler passiert.

      solidarische Grüße
      der pudding

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